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Im Himmel. Drei Wochen ohne dich.

Seit vielen vielen Tagen denke ich darüber nach, diesen Beitrag zu schreiben. Ich habe es nicht geschafft. Nicht geschafft, weil ich dachte, es wird dadurch etwas so endgültig, das ein Teil von mir festhalten, bewahren möchte. Die Hoffnung: Wenn ich es nicht öffentlich schreibe, ist es auch noch nicht wahr, ich kann es zurück nehmen, es ist nur ein Traum, aus dem ich gleich aufwache und dann ist alles so wie früher.

Heute ist der Tag, wo ich all meinen Mut zusammen nehme und mich dieser Traurigkeit stelle.

Am Donnerstag, den 25. Januar 2018 ist unsere geliebte Hündin Minu gestorben. 15 Jahre lebte sie mit uns, versorgte uns mit täglichen Spaziergängen, Stupsern, Spielaufforderungen, Blicken und ihrer Energie.

Wir wussten, mit einem stattlichen Alter von 15 Jahren für einen großen Hund war es noch eine Sache von Monaten, vielleicht einem oder zwei Jahren. Wir wussten, der Tag würde kommen, wo wir sie gehen lassen müssen. Auch wenn unser Herz hoffte, sie lebt ewig.

Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, laufen mir wieder die Tränen die Wangen hinab, ich schluchze. Ich bin so tieftraurig, dass sie nicht mehr bei uns ist. Ich weiß, ihre Energie ist bei uns, aber die Körperlichkeit fehlt und das ist ein entscheidender Unterschied.

Sie fehlt überall. Ich habe so viel geschrieben, seit dem ich sie zum Tierarzt und wieder nach Hause getragen habe. Meine Gefühle in einer roten Kladde mit einem Schmetterling vorne drauf festgehalten, meine Trauer verarbeitet.

Die ersten Tagen waren heftig. Am ersten Abend fragte ich mehrfach: "Wie sollen wir das überleben?" Unser Hund ist ein Teil unserer kleinen Familie, das Liebe und Fürsorge braucht und zurück gibt. Jetzt ist ihr Platz auf dem Sofa leer. Sie liegt nicht mehr neben meinem Schreibtischstuhl, während ich hier sitze und arbeite. Draußen hat es diese Nacht geschneit. Sie tollt nicht mehr voller Freude über den Schnee durch den Garten, spielt Schneeschieber. Die weiße Fläche auf der Terrasse und im Garten ist unberührt. Sie fehlt so sehr.

Ich habe seit Tagen schon nicht mehr so stark geweint wie jetzt gerade. Jetzt weiß ich, warum ich den Beitrag für den Blog noch nicht schreiben konnte. Schreiben verarbeitet. Verarbeitet Gefühle. Und öffentliches Schreiben wie für meinen Blog ist noch mal eine weitere Stufe. Ich habe fast ein Heft gefüllt mit meinem Gedanken, Erlebnissen und Erfahrungen des Trauerprozesses, durch den mein Mann und ich gegangen sind und gehen. Wir haben so viel liebe Anteilnahme von unserer Familie, von Freunden gefunden, gleich ob sie ein Haustier haben oder nicht. Sie alle wissen wie sehr wir Minu geliebt haben. Sie gehörte einfach zu uns und so wird es immer bleiben.

Seit dem ihre Urne wieder in unserem Haus ist, ging es meinem Mann und mir besser. Es war einfach ein beruhigendes Gefühl. Wir hätten uns das vorher nicht träumen lassen, wollten die Asche eines Tages im Meer verstreuen. Jetzt möchten wir die Urne noch behalten. Auch ihre Sachen sind noch nicht weggeräumt. Ihr Geschirr hängt immer noch am Stuhl, wo ich es hinhing, als ich es ihr ein letztes Mal auszog. Der Wassernapf, die Körbchen mit all ihren Spielsachen, alles bleibt stehen. So lange, bis es sich richtig anfühlt.

Am 1.2. hatte ich eine größere OP beim Zahnarzt. Vierzehn Tage war ich intensiv mit meinem Körper und der Wundheilung beschäftigt, so dass ich etwas von der Trauer abgelenkt war. Gestern war ich vor dem Fäden ziehen bei der Tiervermittlungsstelle in Köln-Porz und habe dort Minus Futter, Leckerchen und Medikamente abgegeben. Dort sind alle Hunde, Katzen, Kaninchen und Vögel in Pflegestellen, also in Familien untergebracht, von wo aus sie dann vermittelt werden. Ein tolles Konzept. Sie konnten Minus Sachen gut gebrauchen, denn viele alte Hunden haben Gnadenbrotstellen und auch jene kennen die gleichen Alterswehwehchen wie Minu sie hatte. Ein tröstlicher Gedanke, dass ihre Sachen helfen können.

Mein Büro war seit Mitte Januar, als es Minu schlechter und schlechter ging, im Chaos. Mein Schreibtisch voller Papiere, die kreuz und quer lagen. X Sachen hatte ich begonnen und nicht zu Ende geführt. So langsam lichtet sich das Chaos, doch viel langsamer, als mein quirliger und ungeduldiger Verstand das gerne hätte. Doch er lernt, geduldiger zu sein und die Situation anzunehmen wie sie ist. Manchmal geht es einfach nicht anders.

Seit der Zahn-OP hatte ich weniger geweint und ich dachte: "Ich bin über den Berg." Gerade merke ich, dass da immer noch viele Tränen und Traurigkeit ist.

Wir hatten das große Glück und das war auch ein Trost, dass unsere Hündin am Ende ihres Lebens angekommen war und nicht wie so manche ihrer vierpfotigen Freunde in jungen Jahren sterben mussten. Minu hatte zwar Arthrose, ihr Gang war langsamer geworden, die Treppen wurden nicht mehr im Sturm erklommen, sondern Stufe für Stufe. Seit sie deswegen vor anderthalb Jahren Schmerzmittel bekommen hatte, waren Magenprobleme zurück geblieben. Doch außer diesen Problemen war sie munter. Hatte noch Appetit, auch wenn sie all die tollen Sachen nicht mehr vertrug und deswegen nicht mehr naschen durfte. Eine Woche vor ihrem Tod war sie noch ausgelassen über die Terrasse gehüpft.

Drei Wochen leben wir jetzt ohne sie. Ich bin froh, dass ich es heute geschafft habe, diesen Beitrag für den Blog zu schreiben und Ihnen berichtet, was passierte.

Minu wurde bei einer Tierärztin am 24.12.2002 geboren. Wegen einer Erkrankung, die sie schon mit auf die Welt brachte (Rechtsaorta), blieb sie länger bei der Tierärztin, bis sie operiert war und wieder fit. Im März kam sie dann zu uns. Im Blog habe ich immer mal wieder über unsere Zeit und Erfahrungen mit unserer Hündin berichtet. Die Tierärztin konnte sich noch an Minu erinnern, das süße kleine Hundemädel, das ihnen am Anfang so Sorgen gemacht hatte. Viele ihre Wurfgeschwister waren schon über die Regebogenbrücke gegangen. Wer hätte am Anfang ihres Lebens gedacht, dass Minu so lange leben würde?

Wir hatten eine schöne Zeit zusammen. Die Zeit wäre nicht intensiver geworden, wenn sie noch mehr Wochen gelebt hätte. Weihnachten 2016 schon dachten wir, wir verlieren sie. So schlecht ging es ihr da. Doch Minu war schon immer eine Kämpferin und sie wurde wieder fit. Ein Jahr bekamen wir zusammen noch geschenkt. Wir konnten nochmal in Urlaub fahren und so viele schöne Erlebnisse und Momente sammeln. Auch dafür sind wir sehr dankbar.

Doch hätte mir jemand gesagt: "Das ist deine letzte Woche mit ihr." Dann hätte ich alles stehen und liegen lassen und hätte mich intensiver mit ihr beschäftigt. Es wäre aber auch viel trauriger gewesen, weil ich um ihr nahes Ende gewusst hätte. So war ich selbst beim letzten Gang zum Tierarzt noch in der Hoffnung, dort könnte ihr geholfen werden und ich würde sie dann wieder mit nach Hause nehmen. Sie konnten ihr auch helfen, aber anders als gehofft. Sie wurde erlöst. Ich konnte sie wieder mit nach Hause nehmen und wir konnten Abschied von ihr nehmen.

Die Tränen werden weniger werden und wenn sie kommen, ist es auch gut so. Jede Träne, jede Erinnerung, jedes über sie reden und schreiben hilft, die Situation zu verarbeiten und anzunehmen. Ich habe in den letzten Wochen viel über Trauerprozesse gelernt und geschrieben. Auch dafür bin ich sehr dankbar. Trauer tut weh, aber sie ist auch lebenswert und so intensiv und kostbar.

Ich hatte am Abend ihres Todestages gefragt: "Wie sollen wir das nur überleben?" Die Antwort: Tag für Tag. Träne für Träne. Erinnerung für Erinnerung.

Ihre gerade traurige und gleichzeitig dankbare und zuversichtliche

Anja Kolberg

PS: Hier habe ich über das Leben mit Minu berichtet: Blog - Hundemami 

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 15 Februar, 2018
Thema: Blog - 2018, 1. Halbjahr, Blog - Hundemami, Blog - Psychologie

Ich brauche ein Warum, eine Motivation, einen Sinn.

Hallo da draußen in der Welt!

Wenn mir jemand - selbst wenn er einen guten Grund hat z.B. ein Arzt - sagt, was ich tun soll, ohne mir zu erklären, wofür das gut ist, dann halte ich das nicht auf Dauer durch. Ich bin kein Lemming, der ohne Widerspruch einem Aufruf oder einem Befehl folgt. Das funktioniert bei mir nicht. Im Gegenteil, mein Trotz springt an und der sagt: "Nö!"

Ich brauche die Antwort auf: "Warum sollte ich das tun?"

Ich muss begreifen, was ich davon habe, wenn ich meine eingefahrenen Muster, mein gewohntes Verhalten verändere. Denn Veränderung kostet Kraft. Um die bei der Veränderung entstehenden Einschränkungen und Konsequenzen hinzunehmen und dauerhaft am Ball zu bleiben, brauche ich eine starke Motivation.

Habe ich die Antwort auf das Warum und sehe ich dadurch ein, was ich davon habe, die neuen Schritte zu unternehmen, dann gehe ich auch unbequeme Wege. Das Ziel muss so anziehend sein, dass ich über die Schmerzen der Veränderung hinweg sehe.

So war es auch mit dem Walken. Ich hätte doch all die Jahre zuvor auch walken gehen können. Die Zeit dafür hätte ich mir nehmen können. Habe ich aber nicht. Ich blieb auf meinem Bürostuhl sitzen und arbeitete weiter. Weil es auch so ging. Weil ich keinen Grund hatte, den bequemen Stuhl zu verlassen, mich umzuziehen und in den Park zu gehen. Warum sollte ich, es klappte doch auch so.

Ende des Jahres kamen verschiedene Punkte zusammen, die dann eine Veränderung bewirkten:

Zunächt die Diagnose des Liplymphödems, die mich so geschockt hat. Hier mehr darüber: Diagnose. Kopf hoch. Renovierung. Bewegung. Zahn-OP. Glutenfrei. Zuckerfrei. Ergebnisse (Teil 1)  Die Prognose, lebenslänglich Kompressionsstrümpfe zu tragen, wollte ich nicht auf Dauer stehen lassen. Zu heftig sind die Einschränkungen damit, auch wenn ich lerne, mich damit zu arrangieren. Ich recherchierte und fand raus: Wenn ich muskulöse Beine habe, mich mehr bewege, springt so meine Muskelpumpe an, die Lymphe wird bewegt und die Ödeme in den Beinen werden weniger. Also: Bewegung macht Sinn! Das ist eine Möglichkeit, vielleicht vor der lebenslänglichen Maßnahme der Stützstrümpfe weg zu kommen. Und statt Speck Muskeln an den Beinen hilft auch. Ich hab eine wunderbare Motivation, mich zu bewegen!

Ein anderer Punkt war, dass zu der Zeit mein Vater mehrfach im Krankenhaus gewesen ist. Auch das hat eingewirkt auf mich. Ich erlebte wie es ist, wenn man älter ist und auf einmal auf Hilfe angewiesen, wenn auch nur kurzfristig und man nicht mehr selbst Auto fahren kann. Wie würde es mir gehen, wenn ich meinen Weg gesundheitlich so weiter gehe wie bisher? Wäre jetzt mit 47 Jahren nicht der richtige Zeitpunkt, das Ruder rumzureißen? War das alles zusammen nicht der Weckruf meines Schicksals?

Mit einer Freundin tauschte ich mich aus. Wir haben beide keine Kinder, die sich eines Tages um uns kümmern könnten, wenn wir im Alter mal nicht mehr können. Auch wenn ich das nicht von meinen Kindern erwarten würde, dennoch wäre im Fall der Fälle eine kleine Sicherheit da gewesen, die bei mir aber real einfach nicht da ist. Uns war klar: Wir müssen fit bleiben, um im Alter fit zu sein!

Auch das wirkte auf mich ein.

Dazu die anhaltenden Probleme mit meiner Konzentration. Wenn ich nicht jetzt etwas ändere, wann dann?

Das ist meine Motivation, mich zu bewegen, meine Ernährung genauer unter die Lupe zu nehmen. Leidensdruck und das Verstehen der Notwendigkeit bringen mich in Bewegung. Das ist meine Antwort auf das Warum. Es hat Klick gemacht.

Ein Segen!

So bewege ich mich seit dem nahezu täglich. Es hat viele angenehme Nebenwirkungen: Ich liebe die Zeit in der Natur und blühe auf. Hier ein Blogbeitrag darüber: Ich bin auf dem Weg. Vom Glück draußen zu sein. 

So viel für heute von meinem Weg. Bis bald!

Ihre Anja Kolberg

PS: Übrigens war es auch so mit meinem Einstieg in die Vegane Ernährung. Es braucht eine starke Motivation, so zementfeste Gewohnheiten, die auch noch mit Genuss verbunden sind, zu ändern. Und die habe ich gefunden. Seit 2011 bin ich mit einer kurzen vegetarischen Phase auf dem Weg, mich vegan zu ernähren. Mehr dazu lesen Sie hier: Meine Ethik ... und die Schwierigkeiten danach zu leben 

PPS: Mit der Motivation ist es auch so beim Aquajogging. Erklärt die Trainerin, wofür eine Übung ist, zum Beispiel, dass so die Muskeln im Oberarm gestrafft werden, dann macht das Sinn für mich. Ich will straffere Oberarme und nenne sie die Michele Obama-Übung um Oberarme wie die ehemalige US-Präsidentengattin zu bekommen. Also mache ich die Übung mit Freude und Energie. Das ist eine ganz andere Haltung, als wenn nur jemand sagt: "Wir machen jetzt x und y" und ich denke: "Kein Bock, was macht das für einen Sinn?" Kaum ist der Sinn da - macht Oberarme straff... dehnt den Muskel in der Hüfte, der bei Sitzen verkürzt wird .... - geht die Übung wie von selbst!

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 19 Mai, 2017
Thema: Blog - 2017, 1. Halbjahr, Blog - Körper & Schmerzen, Blog - Psychologie

Bitte schütze mich vor meinen Erwartungen.
Idealbild und Realität

Ich habe welche. Erwartungen. An mich selbst. Wie ich sein sollte, damit ich gut bin, brav, geliebt, geschätzt, ein wertvoller Bestandteil dieser Gesellschaft. Ich trage ein Bild von mir in mir, wie ich aussehen sollte, charakterlich sein soll, mich verhalten sollte, was ich leisten sollte ...

Ein Problem tritt auf, wenn ich spüre: Ich entspreche diesem Bild nicht (mehr). Weil ich dicker bin, unbeweglicher, mich nicht so nett verhalte wie ich es von mir erwarte, nicht mehr so bin wie ich früher einmal war, nicht die Leistung bringe, die ich von mir erwarte, nicht so gesund bin wie andere, empfindsamer als andere, nicht beruflich so erfolgreich, keine Kinder bekomme, andere Ansichten habe ...

Also wenn Wunsch und Realität aufeinanderprallen und gar nicht zusammen passen. Dann gibt es einen inneren Kampf. Anstrengend ist das. Der Kampf zwischen dem Idealbild und der erschreckenden Tatsache der Realität. Der Vergleich. Der Druck, dem Idealbild genügen zu müssen, sonst bedroht mich etwas.

Was mich bedroht, ist die Angst, nicht mehr geliebt zu werden, weil - nun folgen veraltete Glaubenssätze - ich nur geliebt werde oder ok bin, wenn ich einem bestimmten Bild oder Muster entspreche. Und wenn ich dem Bild nicht mehr entspreche, kriecht die Panik in mir hoch, dass ich jetzt ins Fettnäpfchen getreten bin, nicht mehr 'dazu' gehöre, nicht mehr geschätzt und geliebt bin ... Die Liste lässt sich lange fortführen. Ich fühle mich mies.

Wie entsteht denn so ein inneres Bild, die Erwartung an uns selbst? Sie entstehen durch Vorbilder, durch Familie, durch Schule, durch Arbeitsstellen, durch andere Menschen mit denen ich Kontakt habe, durch Medien, im Grunde durch alles, was ich wahrnehme ... Wir erkennen: Wenn ich mich so oder so verhalte, dann bekomme ich gutes Feedback, gute Noten, heutzutage wohl Klicks oder Likes in sozialen Netzwerken. Dann werde ich geliebt. Und wollen wir das nicht: Geliebt werden? Also merken wir uns das und entwickeln ein Idealbild von uns wie wir gut mit uns und unserer Umwelt klar kommen.

Oder ein Kind wird geliebt und gut benotet, wenn es sich so verhält, dass Eltern oder auch Lehrer damit selbst gut umgehen können. Entspricht es nicht diesem Verhaltensmuster und kann das Umfeld damit nicht umgehen (also das Kind so annehmen wie es ist), drohen Sanktionen. Also lernt das Kind: Entspreche diesen Anforderungen - dann bist du ok. Wenn nicht, gibt es Stress, Liebesentzug, schlechte Noten ...

Dieses Bild, diese Gedanken trägt das Kind auch noch als Erwachsener in sich - in Form von Erwartungen, die wir an uns selbst stellen, in Form von Idealbildern.

Natürlich spielt dabei die individuelle innere psychische Stabilität und der Charakter eine Rolle, dem einen sind diese Erwartungen egal, sie ziehen ihr Ding durch, sind innerlich so stark, dass ihnen Gegenwind nichts ausmacht. Dazu gehöre ich leider nicht. Ich gehöre zu den Menschen, denen es innerlich Stress machte und macht, wenn ich erkannte und erkenne: Ich entspreche diesem Bild nicht bzw. nicht mehr und eventuell zusätzlich: Anderen geht es damit nicht gut, dass ich so bin. Dann kann es sein, dass ich in altes Verhalten flüchte und befürchte: Also bin ich nicht ok, also werde ich nicht geliebt. Für Kinder ist das existenziell. Als Erwachsener bin ich handlungsfähiger.

Ausweg aus dem inneren Stress und Chaos? Hm. Das geht bei mir nicht mit einem Fingerschnipp. Veränderung jahre- oder jahrezehntelang mit uns getragener Muster braucht Zeit. Das ist meine Erfahrung. Was mir hilft, ist überhaupt erstmal zu merken: Warum fühle ich mich gerade so gestresst, warum fühle ich mich wertlos ...? Und das zu erkennen lockert mich schon mal ein wenig auf, weil ich mich selbst verstehe.

Schmerzvolles Erkennen. Ich hatte das in der Woche vor Pfingsten. Ich lag mit einem Magen-Darm-Infekt im Bett, fühlte mich so elend. Mein Körper hatte die letzten Wochen scheinbar immer 'hier' geschrien, wenn eine Krankheit vorüberflog. Erst eine leichte Grippe, die mich eine Woche ausknockte, dann Heuschnupfen, der mich nachts nicht schlafen lies und auch nicht mehr in meinem geliebten Garten, dann der Magen-Darm-Infekt. Alles so intensiv und belastend, dass ich keinen Bock mehr hatte. Es müsste doch mal endlich besser werden. Ich habe das Gefühl, die letzten Jahre kämpfe ich nur noch mit irgendwelchen Beeinträchtigungen meiner Gesundheit. Ich will endlich gesund sein und fit und "am Leben teilnehmen wie früher".

Zu spüren: Ich entspreche nicht mehr dem Bild der jungen, fitten, immer gesunden und aktiven Anja von früher, die gerne unterwegs ist, gerne feiert (dem Bild entspreche ich ja schon lange nicht mehr) oder etwas organisiert, die viel leistet so "wie sich das gehört" - mit einem Job von 8 bis 5 und geregeltem Einkommen. Das bin ich nicht (mehr). Und auch einem anderem typischen Bild entspreche ich nicht: Ich habe keine Kinder und statt dessen auch keine Karriere gemacht (zumindest nach meinen Maßstäben). Der gesamte Unterschied auf einmal wahrgenommen war heftig. Mir wurde bewusst was mir Stress machte: Ich bin nicht mehr die Anja von vor 20 Jahren. Ich entspreche nicht mehr meinen Erwartungen, erst Recht nicht einem Idealbild, das ich mit mir herum trage. Die Erkenntnis hat so weh getan. Ich fühlte mich wertlos, weil ich diesem Bild, das für Wert, für Liebe, für Anerkennung, für Dazugehören stand, nicht mehr entsprach. Weil ich nicht den Beitrag zum Leben leiste, den ich von mir erwarte. Puh, das war heftig. Gut, dass zu dem Zeitpunkt eine meiner besten Freundinnen anrief, mir zuhörte, mich ablenkte und aufmunterte. Das hat gut getan. Danach habe ich eine Runde heftigst geweint, fühlte mich erleichtert und bin dann eingeschlafen.

Ist es nicht das, was uns alle erwartet, wenn wir älter werden? Wir sind nicht mehr die, die wir mal waren. Die Haut ist nicht mehr so straff wie mit 30 Jahren. Die Haare grau und sie fallen nicht mehr so gut wie früher. Die Nerven sind dünner geworden. Wir sind nicht mehr so aktiv, nicht mehr so lustig, nicht mehr so fröhlich und unbeschwert. Der Körper ist nicht mehr so belastbar und steckt fehlenden Schlaf weniger weg. (Ganz klar: Es gibt viele Menschen, die diese Probleme nicht haben, ich gehöre jedoch zu den Menschen, die das haben.) Ist es das, womit auch meine Großmutter seit Jahren zu kämpfen hat, wenn sie sagt, dass sie schlechter sehen kann, schlechter greifen oder keine Gartenarbeit mehr machen kann? Ist es das, was mich auch mit fortschreitendem Alter erwartet? Klar kommen damit, dass ich etwas nicht mehr machen kann, dass ich einst liebte? Etwas nicht mehr entspreche, das ich einst war? Wäre es dann nicht klug, mich frühzeitig damit zu arrangieren, dass nichts so bleibt und sich das Leben ändert?

Wie will ich damit umgehen? Kämpfen, um dem alten Bild in jedem Falle weiter zu entsprechen? So tun, als ob alles wie früher ist? Bei beidem schüttelt es mich gewaltig.

Aber tat ich denn bisher nicht genau das? Nicht wahrhaben wollen, dass ich eben meinen Idealbildern von mir und meinem Leben, meinen Erwartungen an mich, nicht mehr entspreche. Den inneren Stress irgendwie aushalten und die Angst, nicht mehr geschätzt und geliebt zu sein, wenn mir die Kluft zwischen Ideal und Realität bewusst wird. Sondern ich mich anstrenge, dem Bild möglichst wieder zu entsprechen und es doch desillusioniert nicht zu schaffen. Puh! Die Traurigkeit unterdrücken und auch die Trauer, um das, was ich nicht mehr ist. Was ich in jungen Jahren, als ich fitter war, nicht wagte und vielleicht jetzt nicht mehr geht.

Das Leben wandelt sich. Ich habe mich gewandelt. Mein Körper, mein Geist, meine Seele, mein Umfeld, mein Leben. Meine Erfahrungen haben mich verändert und Spuren hinterlassen. Aber das alte Bild von mir wie ich sein sollte, die Erwartungen die ich an mich stelle, die sind noch die alten. Und es ist Zeit, hier aufzuräumen. So kann es nicht weiter gehen. Ich bin nicht mehr die Anja mit den Adleraugen. Nein, bei uns im Haus gibt es seit letztem Herbst auf jeder Etage mindestens eine Lesebrille. Mein Körper verändert sich, meine Psyche. Aber solange ich das innere Bild nicht anpasse, habe ich Stress, solange nehme ich mich nicht an wie ich wirklich bin.

Also heißt die Aufgabe: Mich lieben und annehmen wie ich bin. Das, was wir Kinder früher gebraucht hätten, wenn wir der Norm nicht entsprachen: Geliebt werden, gleich wie wir sind. Keinen Ärger bekommen, auch wenn wir widersprechen, unbequem sind, nicht funktionieren, sondern unseren inneren Impulsen folgen. Genau das ist heute meine Aufgabe: Mich bedingungslos lieben. Keine leichte. Aber eine sehr sehr wichtige und existenziell notwendige, um gesund zu leben.

Wie könnte mein inneres Bild denn aussehen? Sollte ich es ganz wegputzen? Geht das? Muss ich mir jedes einzelne Bild anschauen, wie ich denke (dachte), sein zu müssen und es überprüfen?

Überprüfende Fragen, die alte Idealbilder durchleuchten:

Bin ich nur eine "richtige Frau", bin ich nur dann wertvoll und gehöre dazu, wenn ich Kinder bekommen und großgezogen habe? Das unabhängig davon, ob ich keine Kinder bekommen wollte, nicht bekomme konnte oder nicht bekommen habe, ohne dass ein Grund bekannt ist. Vielleicht weil ich unentschlossen war, weil ich noch warten wollte, weil der Himmel oder der Körper nicht genickt haben, weil xyz ....

Bin ich nur dann ein anerkannter Teil der Gesellschaft, wenn ich einen bestimmten Betrag verdiene, wenn ich einen bestimmten Teil zum Haushaltsbudget beitragen kann, den ich von mir erwarte, wenn ich jedes Jahr einen Urlaub oder zwei machen kann, wenn ich mich ehrenamtlich engagiere, wenn ich genügend Steuern zahle, mit anderen mithalten kann und völlig unabhängig und autark von anderen leben kann? Bin ich nur dann wertvoll, wenn ich etwas leisten kann - und was ist wenn ich krank bin, wenn ich will, es aber nicht schaffe, sei es körperlich oder psychisch oder ohne erkennbaren Grund?

Bin ich nur dann ok, wenn ich immer nett zu anderen bin, freundlich, fair, wertschätzend kommuniziere, zuhöre, verständnisvoll und mitfühlend bin? Was ist wenn ich frech bin, mal nur an mich denke und keine Rücksicht nehme, eine andere Meinung habe, laut werde, beleidigend, wütend, keine Lust habe anderen Erwartungen zu entsprechen oder gar meinen eigenen?

Bin ich nur dann eine Frau, wenn ich schöne lange Haare habe, einen üppigen Busen, tolle Kurven, schlanke glatte unbehaarte Beine, hohe Schuhe trage und faltenfrei oder zumindest attraktiv und ansehnlich bin? Und was ist, wenn ich mich in bequemen Klamotten am wohlsten fühle, wenn es mir egal ist, ob ich dem neusten Trend entspreche und am liebsten kurze Haare trage oder mir völlig egal ist, wie ich aussehe?

Bin ich nur dann eine gute Selbständige, wenn ich immer etwas neues biete, Leistung bringe, Geld verdiene, meine Altersvorsorge ausreichend bedienen kann, eine gute Auftragslage habe und stets weiß wie es weiter geht? Und was ist, wenn Durststrecken kommen, wenn ich Pläne habe, sie aber nicht umsetzen kann, wenn ich nicht weiß, was ich will, wenn ich nicht vorwärts komme, sondern irgendwie festhänge und auf eine hohe Wand statt auf Wege und Möglichkeiten schaue?

Bin ich nur dann eine gute Angestellte, wenn ich den Anforderungen eines Arbeitgebers entspreche, wenn ich alles zur Kundenzufriedenheit erfülle, wenn ich eine tolle Kollegin und Teamplayerin bin? Und was, wenn ich das nicht mehr kann und nicht mehr will, wenn es mir die Luft zum Atmen abschneidet?

Eigentlich gibt es nur einem, dem ich entsprechen muss: Mir selbst. Und ich selbst bin ein Individuum, das sich ändert. Beständig. Mein Körper altert und verjüngt sich. Meine Zellen ändern sich. Meine Einstellungen wandeln sich. Ich mache Erfahrungen und verändere mein Verhalten. Erlebnisse hinterlassen Spuren und Narben. Was mir gestern nichts ausmachte, ist mir heute längst nicht mehr egal. Ich bin nicht mehr bereit, bestimmte Dinge zu tun, die für andere ok sind oder für mich mal ok waren.

Es ist an der Zeit, mich anzunehmen mit all den Veränderungen, die da in mir sind. Meine grauen Haare machen mir noch am wenigsten aus. Die Dellen an den Oberschenkeln schon mehr. Meinen Körperumfang ist je nach Stimmung und Tagesform ok oder gar nicht ok für mich. In bestimmter Gesellschaft, wo ich mich Blicken und Wertung ausgesetzt fühle, ist es schwerer als wenn ich mit "meinen Menschen" zusammen bin oder ganz alleine. Wenn ich ganz alleine bin und mit etwas schönem beschäftigt, dann bin ich ok. Meistens jedenfalls. Sobald ich in Dialog oder Vergleich mit anderen gehe, dann wird es schwer für mich. Ich wünschte, davon wäre ich unberührt, aber so ist es noch nicht. Doch ich habe den Wunsch, dass ich unabhängig - von den Erwartungen anderer und einem überholten Idealbild in mir - glücklich und zufrieden leben kann.

Mir fällt noch etwas ein: Führe ich nur dann eine gute Ehe, wenn ich immer wieder mit meinem Partner auf einen Nenner komme, wenn wir zusammen an einem Strang ziehen, wenn wir uns gegenseitig unterstützen, wenn wir uns körperlich immer noch anziehend finden wie im ersten Jahr? Und was ist, wenn das nicht der Fall ist, wenn mir der Partner auf den Keks geht und seine Ansichten (und umgekehrt), wenn der eine sein Ding macht ohne auf den Partner Rücksicht zu nehmen? Was dann?

Geht es nicht darum, seine eigene und heute stimmige Definition von Zufriedenheit und Glück zu finden, auch in der Partnerschaft? Zum Beispiel: Der Druck, der von Medien ausgeübt wird, zu Umfragen über das Sexualverhalten von langjährigen Paaren, dessen Fragen sowieso nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden. Wer gibt schon so etwas zu - ehrlich? Das Problem ist doch: Wer seine Beziehung damit vergleicht und feststellt: "Oh, dem entsprechen wir nicht.", der zweifelt vielleicht an seiner Beziehung, wird unglücklich und ein Schiff bekommt Schieflage, das gar nicht hätte sein müssen.

Beziehung, Ehe, Partnerschaft ist eben so, wie sie ist. Und wenn zwei damit einverstanden sind, ist es doch ok. Und wenn nicht, kann man drüber sprechen. Vielleicht lässt sich etwas ändern, vielleicht nicht. Und vielleicht lässt sich dennoch Frieden schließen mit der Situation in der Partnerschaft so wie sie ist, auch wenn oder gerade weil sie nicht dem gesellschaftlichen Ideal entspricht und auch nicht dem eigenen idealen Bild. Vielleicht gewinnt man dennoch etwas aus der Partnerschaft, für das es sich lohnt, zusammen zu bleiben. Ich glaube nicht, dass es in der nächsten Partnerschaft nach der gleichen Zeit auch noch unbeschwert wie zu Beginn ist. Zu jeder Beziehung gehört Arbeit. Sicher gibt es Ausnahmen wie auch bei Menschen, die immer Glück haben, denen scheinbar alles gelingt. Ich erlebe das (leider) nicht.

Ich glaube in der Partnerschaft geht es darum, den anderen so zu lieben oder lernen zu lieben wie er ist. So wie ich mir das schon als Kind gewünscht hätte. Das ist eine Herausforderung. Denn Ehe, Partnerschaft ist nicht das, was uns in Filmen oder Romanen gezeigt wird, die meist dort enden, wo es am schönsten ist - beim Zusammenkommen, bei der Hochzeit. Ehe ist Arbeit, den anderen respektieren, seine Veränderungen seit dem Kennenlernen annehmen - als alles noch rosarot war und wir uns bemühten, dem anderen zu gefallen. Mit den Enttäuschungen klar kommen. Ja, vielleicht gehen und eigene Wege gehen oder innerhalb der Partnerschaft üben, das eigene Ich mehr zu stärken, innerhalb der Partnerschaft einen eigenen Weg gehen und trotzdem zusammen sein.

Von einer Person können wir uns nicht trennen, nicht davon laufen: Vor uns selbst. Wir bleiben ein Leben lang zusammen. Mit uns selbst klar kommen, mit unseren Veränderungen, mit Enttäuschungen über unsere eigenen nicht erfüllten Erwartungen oder die von anderen, das ist Herausforderung und Aufgabe zugleich.

Mich selbst so lieben und annehmen wie ich bin. Wie ich jetzt bin. Nicht wie ich gerne hätte, dass ich bin oder wie ich mir erhoffe, dass andere mich dann mögen. Mich kennen lernen, wie ich jetzt bin, was ich bin und was nicht mehr. Was ich nicht mehr will, was ich nicht mehr kann, was ich nicht mehr möchte.

Von Erwartungen Abschied nehmen. Mich selbst neu kennen lernen wie einen Menschen, dem ich erstmals begegne. Mich schätzen, mir vertrauen lernen. Mich lieben - gleich wie ich bin oder weil ich bin wie ich bin. Das möchte ich üben. Jeden Tag aufs neue.

Ich bin nicht mehr die, die ich mit 20 war, auch nicht wie mit 30 oder 40. Ich entspreche vielen Erwartungen nicht oder nicht mehr, die an mich (unbewusst) gestellt werden und wurden. Auch nicht meinen eigenen Wünschen und Erwartungen. Ich brauche aber keine Angst mehr haben, nicht geliebt zu werden, wenn ich diesem Bild nicht (mehr) entspreche. Mir keinen Stress mehr machen, in tiefe Abgründe stürzen. Weil ich nah bei mir bin und mich liebe - weil ich bin und wie ich bin. Endlich nicht mehr einem gekünstelten Bild entspreche. Sondern mir selbst. Heute.

Und das macht mich frei. Unabhängig. Authentisch ich selbst sein.

Ich hoffe, diesen Text lese ich mir durch, wenn es mir gerade schlecht geht, weil ich entdecke: Ich bin nicht die, die bestimmten Erwartungen entspricht, die mir vermeintliche Sicherheit gaben oder geben könnten. Ich stehe mir selbst zur Seite und mag mich, auch wenn ich nicht zu bestimmten Gruppen dazu gehöre, auch wenn ich mal alleine da stehe. Ich bin bei mir. Es wird auf dieser Welt oder im Himmel immer eine Seele geben, die mich liebt. Und ich mich selbst. Besonders das letzte kann ich mir versprechen und immer wieder üben und darauf mit zunehmender Sicherheit vertrauen.

Danke für den Raum, meine Gedanken hier mit Ihnen und mit dir teilen zu können. Danke fürs Zuhören. Das war lang, aber es musste raus und hat mir geholfen, klarer zu sehen. Vielleicht kann ich ja jetzt besser mit meinen Augen sehen. ;o)

Ihre und deine

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 27 Mai, 2016
Thema: Blog - 2016, 1. Halbjahr, Blog - Dunkle Tage, Blog - Psychologie

Eine zweite Chance

Hallo da draußen in der Welt,

während ich diesen Text in meine Tastatur tippe, scheint Sonne auf den Bildschirm. Vogelgezwitscher dringt durch das offene Fenster und wechselt sich mit dem Geräusch vorbeifahrender Wagen ab. Unser Stadtteil wird um halb acht munter.

Wie oft habe ich über den Titel nachgedacht: Eine zweite Chance.

Mehr als ein Jahr lang hüpft er und das Thema, um das es geht, immer mal wieder durch meinen Kopf. Ich wollte ihn auch schon auf die Kalenderblätter bringen. Jetzt wird er erst mal zum Blogbeitrag. Um das geht es mir:

Eine zweite Chance zu bekommen und selbst zu geben. Kennen Sie die Situation, wenn Sie etwas gesagt haben und den Eindruck haben, das ist nicht so beim Gegenüber angekommen, wie Sie es gemeint haben? Das Gesicht wird verzogen, der Blick geht nach unten, es tritt Stille ein ... und das in einer Situation, wo es nicht ohne weiteres möglich ist, aufklärerisch tätig zu werden, also zu erklären, wie Sie das gemeint haben. Ich kenne solche Situationen. Und sie sind mir unangenehm. Ich weiß nicht, wie das, was ich sagte, bei meinem Gegenüber wirklich ankommt. Bilde ich mir nur ein, dass der andere es anders als ich es meinte aufgefasst hat? Warum habe ich es nicht gleich klar gestellt? Seufz.

Ich würde mir nicht rausnehmen, jemanden bewusst zu beleidigen oder zu kränken. Aber bei der Kommunikation gibt es ein Hindernis: Das, was ich sage kann sich von dem unterscheiden, was vom anderen aufgenommen wird. Also, wenn ich etwas nicht böse, beleidigend meine, kann es aber doch so beim anderen ankommen. Warum? Weil der andere seine Filter aktiv hat. Mit Filter meine ich persönliche Erfahrungen, Erlebnisse, Wertungen über sich selbst und andere, die dann wirken. Und die sorgen dafür, dass Worte eine Färbung bekommen, die so gar nicht gemeint war.

Diese Filter habe ich auch. Und durch die müssen Sätze von anderen auch durch. Es gibt Menschen, über dessen Äußerungen rege ich mich maßlos auf. Weil ich meine, sie wollen mir was. Dabei weiß ich das neutral betrachtet gar nicht. Ich vermute es. Weil ich einen wunden Punkt habe und sie haben sich vielleicht auf diesen wunden Punkt unbewusst bezogen. Sie kennen meine wunden Punkte ja gar nicht. Und was passiert? BÄM! Bin ich beleidigt, ziehe mich in mein Schneckenhaus zurück. Wie kann derjenige blos so was sagen? Unverschämt! Ganze Arbeit haben meine inneren Bewertungen geleistet. Würde ich das alles beiseite lassen, die Filter, meine eigene Befindlichkeit - die ja nicht jeden Tag gleich stabil und gelassen ist, meine Interpretationen, der andere mag mich mich, dann sind da nur ein paar Worte. Ja, der Ton spielt auch eine Rolle, dennoch. Ich kann es neutral betrachten. Vielleicht ist es dann gar nicht so schlimm.

Umgekehrt als diejenige, die etwas sagt: Ich habe auch schon Tage gehabt, da war ich ganz mies drauf und wenn ich dann was sage, ist es sicherlich nicht so freundlich oder bedacht wie an Tagen, wo ich super drauf bin. Dann hätte ich garantiert etwas anderes gesagt. Das hat aber nichts mit dem Wert meines Gegenübers zu tun. Der bleibt gleich hoch. Nur meine Reaktion ist eine andere.

Und für solche Situationen wünsche ich mir zweite Chancen.

Eine zweite Chance für den Menschen, dem ich unterstelle, mir was zu wollen, weil er ja das oder das gesagt hat. Meint er es wirklich so wie ich vermute? Könnte es nicht auch anders sein? Könnte ich nicht auch - wenn ich mich traue - nachfragen, wie der andere das gemeint hat? Vielleicht werde ich über dessen Wertschätzung mir gegenüber erstaunt sein.

Eine zweite Chance für mich, wenn ich das Gefühl habe, meine Worte haben einen anderen Menschen getroffen, gepaart mit meinem Unvermögen, darauf einzugehen, weil ich selbst über dessen Reaktion erschrocken bin und mich schäme, vielleicht etwas "falsches" gesagt zu haben. Wie herrlich wäre der Glauben des anderen an mich, dass ich ihm nichts böses will, sondern es wirklich gut mit ihm meine.

Sie kennen vielleicht den Satz: "Ich bin verantwortlich für das, was ich sage. Nicht für das, was du daraus machst." Er hilft mir, nicht zu viel Verantwortung für das Wohlbefinden anderern Menschen zu übernehmen, wozu ich neige.

Was ich aber auch gelernt habe, ist die Möglichkeit, dass ich das, was für mich selbstverständlich ist, auch noch dazu sagen kann. Zum Beispiel dass mir die Meinung eines anderen wichtig ist und ich deswegen wissen möchte, was er von meinem Projekt hält. Oder dass ich wenn ich gewusst hätte, jemand ist im Besprechungsraum, dort niemals rein gegangen wäre. Für mich selbstverständlich. Würde ich nicht. Das weiß der andere aber in der Regel nicht, er kennt mich vielleicht gar nicht so gut und hat schon negative Erfahrungen gemacht. Deswegen ist es wichtig, für mich selbstverständliches zu erklären. Bis der andere mich wirklich kennt. Bis er mir vertraut und weiß, dass ich ihn wirklich mag.

Das ist etwas, das ich lernen möchte: Für mich selbstverständliches sagen. Weil ich mich so selbst erkläre und zwischen mir und meinem Gesprächspartner eine Brücke der Liebe und des Verständnis baue.

Einen Strich ziehen unter all den Mutmassungen über andere Menschen. Vermutete Abwertungen unseres Selbst. Neu anfangen. Eine zweite Chance geben. Die wünsche ich mir selbst und die möchte ich geben. Wer weiß wie viele Beziehungen gestiftet oder gekittet werden könnten, Freundschaften, kollegiales Miteinander, wenn wir wirklich vom anderen wüssten, was er/sie von uns hält? Und wir dann entdecken, dass der andere gar nicht denkt: "Ist die doof.", sondern uns heimlich bewundert, mag, interessant findet ....

Es gibt immer wieder Neues auf dieser Welt zu lernen. Jetzt habe ich meine monatelangen philosophischen Gedanken endlich mal zu Papier gebracht. *Hüpf*

Einen schönen Maitag!

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 04 Mai, 2016
Thema: Blog - 2016, 1. Halbjahr, Blog - Psychologie

Geistige Beweglichkeit. Trainingslager für Herzenswünsche.

Juni - Tischkalender Balsam für die Seele
'Wenn ich mich bewege, bewegt sich auch mein Umfeld.' lautet das Zitat auf meinem Tischkalender für Juni. In den monatlichen Impulsen per Mail habe ich dazu geschrieben: Ich kann der Anfang sein, wenn ich mir Bewegung in meinem Umfeld wünsche.
Dadurch (er)warte ich nicht länger, dass sich die bewegen, an denen ich mich störe. Meine Veränderung ist ein entscheidender Schritt Richtung innerer Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Ich sorge gut für mein Wohlbefinden.

Eine Leserin meiner Impulse brachte mich in dem Zusammenhang auf den Gedanken der 'Geistigen Beweglichkeit'. Dieser Begriff gefällt mir sehr.

Erst meine geistige Beweglichkeit ermöglicht mir, mich zu verändern, Neues zu denken, anders zu denken, bestehende Grenzen zu erweitern.

Ich kann auch sagen, es ist die Jugendlichkeit meines Geistes. Und die kennt kein Alter, es ist eher eine Haltung oder Einstellung, die sich üben lässt. Eine Voraussetzung, um in Bewegung zu kommen.

Wenn ich mir nur noch die eingefahrene Richtung meines täglichen Denkens erlaube, bleibe ich in dieser Bahn hängen. Alles bleibt wie es ist. Auch das, was mir nicht gefällt. Erlaube ich mir andere Betrachtungswinkel, wirft das ein neues Licht auf meine Situation und da, wo vorher eine undurchdringliche Wand war, öffnet sich auf einmal eine Türe.

Kann ich mich von meinem bisherigen Verhalten und Denken lösen? Eine vielleicht eingetretene Starre durchzubrechen ist unbequem - aber nicht unmöglich!

Was viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte eingeübt wurde, hat eine starke Anziehungskraft, wiederholt zu werden - vergleichbar mit einem breiten Pfad durch den Urwald, der sicher stellt, dass ich ohne Schaden an mein Ziel komme. Wer hat da schon Lust, sich abseits des Pfades zu bewegen, sich schmutzig zu machen, hinzufallen, in Löcher zu treten, Zweige ins Gesicht zu bekommen?

Das mache ich nur, wenn ich einen trifftigen Grund habe. Deswegen ist Leidensdruck oft als Antrieb nötig: Der eingelaufene Weg muss unbequemer, gefährlicher, schrecklicher ... sein als die Herausforderung, einen neuen Weg durch das Gestrüpp zu finden. Dann bin ich bereit, die Strapazen auf mich zu nehmen. Der Leidensdruck ist Motor für meine Veränderung.

Veränderungen sind anstrengend. Also meiden wir die lieber.

Der Mensch an sich ist ja eher bequem. Nur so sind all die technischen Neuerungen und Entwicklungen und Optimierungen entstanden: Wir wollten es besser und bequemer und einfacher haben.

Durch diese unbequeme und unsichere Phase muss ich aber durch, wenn sich was in meinem Leben ändern soll. Es lohnt sich, weil dahinter eine Verbesserung meines Lebens, meines Wohlbefindens oder gar die Erfüllung meiner Herzenswünsche lockt!

Es gibt auch Situationen, in denen ich weiß, es muss sich was ändern. Ich weiß nur noch nicht was. Das Gute: Ich kann jetzt schon was für mich tun.

Es muss nicht erst hoher Leidensdruck her, bis ich mein Verhalten ändere. Denn je eingerosteter ich und mein Verhalten sind, desto höher muss der Leidensdruck sein, bis wir beide uns endlich bewegen. Ähnlich dem Druck, den ich auf eine seit 20 Jahren nicht bewegte Schraube ausüben muss, bis sie sich bewegt.

Ich kann im Alltag jetzt schon mit Lockerungsübungen beginnen, gleich ob es schon brennt. Einfach so. Spielerisch. Weil's Spaß macht. Mich auf neue Gedanken bringt. Meine geistige Beweglichkeit trainiert. Und es mir dann leichter fällt, mich zu bewegen und verändern, wenn es sein muss. Ich muss nicht mehr bis zur letzten Sekunde warten, bis nichts anderes mehr geht. Bis dahin ist in der Regel viel viel Zeit vergangen. Schmerzen. Tiefe Täler der Traurigkeit und Unzufriedenheit.

Ich kann die Übungen auch nutzen, um in Bewegung zu kommen, wenn es brennt, es schmerzt, sich aber nicht wirklich was tut oder ich nicht weiß wie ich anfangen soll ...

Neues Verhalten, geistige Beweglichkeit lässt sich üben. Nennen wir es unser persönliches Trainingslager für Herzenswünsche. Kingt klasse, oder? Wir machen uns fit für das, was da kommen mag. Einige Übungsideen gibt es jetzt dafür:

Im Workshop zur Beruflichen Veränderung habe ich diese Übung gemacht: Sitzplatzwechsel.

Wenn wir einmal einen guten Sitzplatz gefunden haben, bleiben wir gerne dort. Er vermittelt uns Sicherheit und Stabilität. Die Aufgabe an einem neuen Workshoptag war nun, den Platz zu wechseln. Beobachten, wie es mir mit dieser Veränderung geht, wie die Aussicht vom anderen Platz wirkt. Spannende Bewegungen innerlich und äußerlich.

Auch abseits vom Workshop kann ich das üben: Mich an einen anderen Platz am Esstisch setzen. Einen neuen Weg zur Arbeit gehen. Zu einer anderen Uhrzeit aufstehen. Mit der nicht dominanten Hand essen. Etwas neues lesen, schmecken, riechen. Etwas probieren, von dem ich immer sagte: 'Will ich nicht. Brauch ich nicht. Mag ich nicht.'

All das bewegt etwas in uns, unserem Kopf und löst eingefahrene Strukturen und Systeme. Wir bereiten uns auf Neues vor. Auf Veränderungen, die uns am Herzen liegen. Bewegungen, die uns gut tun und uns dahin bringen, wohin wir wollen. Ein geübter Muskel bewegt uns leichter als ein schlaffer, untrainierter.

So, dass schreibe ich mir jetzt mal als erstes selbst auf die Fahne: 'Walk your talk' - frei übersetzt: 'Setze selbst um, was du sagst.' Nicht nur schön reden, sondern auch selbst tun.

Ich mache heute (diesen Text schrieb ich am Mittwoch, den 10. Juni) was anders als sonst und mache um 9.11 Uhr meinen PC aus und fahre ins Bergische. Morgen lese ich diesen Beitrag Korrektur und stelle ihn ins Netz. Heute gönne ich mir eine neue Bewegung. (Das Korrektturlesen und Illustrieren hat ein paar Tage länger gedauert. Jetzt, Montag, den 15.6. ist es soweit und er geht online.)

Einen schönen Tag - mit klitzekleinen Veränderungen, die großes ins Rollen bringen.

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 15 Juni, 2015
Thema: Blog - 2015, 1. Halbjahr, Blog - Psychologie, Herzenswege

Im Haus meines Herzens

Das Oktoberblatt meines Tischkalenders blickt mich an:

Tischkalender von Anja Kolberg

'Ich handle so, als ob ich's schon kann.' Mit diesem Satz versuche ich mich immer wieder zu verbinden, wenn ich aufgeregt werde, Sorgen oder Ängste entwickle. Zum Beispiel besuche ich am Wochenende eine Weiterbildung. Ich spüre jetzt schon Aufregung:

Werde ich Freitag einen Parkplatz finden oder ewig durch die Straßen kurven? Wird das am Samstag mit der Bahnanreise klappen? Werde ich mich wohl- und gut aufgehoben fühlen? Wird es das richtige für mich sein? Wie werde ich das mit dem Essen machen? Wird es mir zeitlich zuviel werden?

Meine Gedanken spielen Pingpong in meinem Kopf. Wie so oft.

Ich schaue auf das Kalenderblatt, dessen Herz so viel Liebe, Ruhe und Zuversicht ausstrahlt. Ich lese den Satz: 'Ich handle so, als ob ich's schon kann.'

Gelassen. Zuversichtlich. Ruhig. Entspannt. Locker. Frei. Sicher. Ganz bei mir.

Ich beruhige mich. Atme durch.

Ich habe alle Freiheiten der Welt. Den Sonntag kann ich im Bett verbringen und auf der Couch und mich regenerieren. Wenn ich keinen Parkplatz in der Nähe finde, laufe ich ein Stück. Auch wenn es dunkel ist, wird der Weg beleuchtet sein. Ich bin nicht alleine. Anderen geht es vielleicht ebenso wie mir. Das wird schon gut werden.

Ich werde trotzdem wieder aufgeregt. Gut, erwarte ich Wunder?

...

Ich habe mein Schreiben hier unterbrochen. Weil ich innerlich so aufgewühlt war. Ich hatte mir vorgenommen, heute endlich wieder einen Blogbeitrag zu schreiben. Fing mit dem an, was mich bewegte, beruhigte und die Aufregung kam zurück.

Frühstückspause machen. Ich habe die Angewohnheit entwickelt, erst ein wenig am Morgen zu arbeiten - dann ist noch alles ruhig und ich wenig abgelenkt - anschließend mit unserer Hündin Minu spazieren zu gehen und dann zu frühstücken. Heute morgen habe ich diese Routine durchbrochen. Gerade eben. Bin in die Küche. Den Wasserkocher angestellt. Mir Brote mit süchtig machender Spekulatiuscreme bestrichen. Gesehen, dass das aufgebrühte heiße Wasser in der Teetasse kalkig aussah und erst mal den Kocher mit einigen Spritzern Essigessenz entkalkt. Die Küche während dessen ein wenig aufgeräumt. Eine reife Banane geschält und mit auf den weißen Teller mit den bunten Blüten gelegt. Mit dem frischen Wasser die Teetasse erneut befüllt und noch eine Wärmflasche.

Die Stufen hinauf in mein Büro. Minu folgt mir. Stelle die Herrlichkeiten auf dem freien Bereich des vor dem Fenster stehenden alten Küchentisches ab. Wähle einen neuen Tee aus: 'Raum für Stille. Erleuchtung.' Auch wenn ich das Wort Erleuchtung nicht mag: Der Kräutertee ist lecker. Apfel und Zitrone. Englisch heißt er: 'Joyful Silence. Holding the Space.' Klingt viel besser. Und inspiriert mich.

Mit Ruhe esse ich meine Schnitten. Nippe am Tee. Spüre die Hitze der Wärmflasche auf meinem Bauch und später im Rücken. Schaue in die noch dunkle Welt vor meinem Fenster. Blättere durch eine Psychologie-Zeitschrift. Werde ruhiger und fühle Gelassenheit. Tiefes Seufzen.

Die Pause hat mich beruhigt. Atmen. Annehmen.

Die Aufregung kommt vielleicht zurück. Ok. Ich fühle mich vielleicht unwohl. Ok. Ich bin vielleicht vorher und nachher gestresst. Ok. Ich kann auch zu Hause bleiben. Ok. Ich kann auch etwas wagen und Neues entdecken. Mein gewohntes Umfeld verlassen, ist immer mit Aufregung verbunden. Gleich ob ich in Urlaub fahre oder ein Seminar besuche oder irgend etwas anderes Neues mache. Das ist Teil des Ganzen. Diese Gefühle müssen nicht da sein. Sie sind es aber. Und dürfen da sein.

Schmeckt der Tee wirklich nach Apfel und Zitrone? Hm, der Teebeutel duftet intensiv. Düfte können wunderbar entspannen, gerade wenn innerlich Aufregung tobt. Die Neurologin Dr. Claudia Croos-Müller hat wunderbare Bilderbüchlein heraus gebracht, mit Übungen, die bei Psychostress helfen.

Das Buch 'Nur Mut' habe ich hier und die Körperübungen haben mir vor meiner Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie geholfen. Zum Beispiel die Gleichgewichtsübung 'Auf einem Bein stehen'. Die Ärztin erklärt bei jeder Übung, warum sie gut ist, wie sie wirkt. Alles einfach, knapp geschrieben und herrlich illustriert mit den Schafen Oscar und Emiliy.

Ich habe im Warteraum vor der mündlichen Prüfung zwar nicht auf einem Bein balanciert, um mich zu beruhigen, die Übung aber für mich adaptiert und mir statt dessen den geraden Horizont am Meer vorgestellt. Das hat mir auch geholfen, ruhig und ausgeglichen zu sein.

Eine der 12 1/2 Übungen ist 'Duft atmen', was sofort beruhigend wirkt. Hmmmm. Riecht gut, der Tee. Alles zusammen heißer Tee, süße Schnitten, inne halten, Wärmflasche - das hat mich beruhigt. Und auch, meine Gedanken durch die Tastatur in diesen Text fließen zu lassen.

Schön. Ich kann die Welt nicht kontrollieren. Aber ich kann immer wieder in das Haus meines Herzens zurück kommen und nah bei mir sein. Mich immer wieder mit guten Gedanken verbinden, mit Gelassenheit und Zuversicht.

Das fühlt sich gut an.

Die Tischkalender 2015 können Sie in meinem Webshop Einfach anders anschauen und bestellen. Ebenso die Monatlichen Impulse - meine inspirative Jahresbegleitung per Mail.

Alles Liebe,

Ihre Anja Kolberg

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Was steht im Zentrum meiner Aufmerksamkeit?

Wenn ich traurig bin, weil ich meine innersten Wünsche, Ziele, Bedürfnisse nicht erfülle - oder sie sich nicht erfüllen - hilft diese Frage:

Was steht im Zentrum meiner Aufmerksamkeit?

Steht dort das Ziel, das ich erreichen möchte? Stehe ich dort? Oder steht dort das Problem anderer Menschen, um das sich meine Aufmerksamkeit dreht? Steht dort das Wohlbefinden anderer? Steht dort ein Projekt, das gar nicht meines ist? Engagiere ich mich für etwas, das mir nicht am Herzen liegt?

Die Dinge rutschen, wenn ich sie mir nicht bewusst mache, einfach dorthin. Wenn in meinem Focus Themen stehen, die nicht meine sind, macht das auch die selbstloseste Helfernatur auf Dauer mürbe. Es macht unzufrieden, ist ungesund und tut weh, sich selbst zu vergessen.

Deswegen ist es wichtig, mal hinzuschauen, um was sich meine täglichen Gedanken drehen. Auf der Arbeit wird das natürlich die Arbeit sein, aber wofür setze ich sonst meine Energie ein? Aufmerksamkeit ist für mich Liebe. Und die will gut eingesetzt sein. Denn es gilt die Flugzeug-Notfall-Regel: Erst wenn wir uns selbst gesichert haben (Sauerstoffmaske auf), können wir anderen helfen (anderen beim Aufziehen der Maske helfen). Sonst reicht die eigene Kraft und Lebensfähigkeit nur noch für wenige Minuten.

Als ich mich das letzte Woche fragte, spürte ich, dass dort wieder einmal ein Thema stand, das nicht meines war. 80% meiner Aufmerksamkeit waren darauf focussiert und ich engagierte mich dafür, als sei es mein eigenes. Doch das ist es nicht, denn meine eigenen Themen, Projekte blieben liegen, weil dafür kein Raum, keine Kraft mehr war. Ich überlegte:

Was würde die souveräne Person in mir tun, die sehr gut für sich sorgt und ihre Herzensthemen verwirklicht?

Sie würde das Thema, welches nicht ihres ist, zur Seite schieben. Es mitlaufen lassen. Aber ins Zentrum der Aufmerksamkeit ihre Wünsche stellen und die Energie in deren Verwirklichung stecken. Darauf liegt bei ihr der Focus, darum drehen sich die meisten Gedanken und fließt Energie hin.

Ich neige dazu, andere Menschen und ihr Wohlbefinden, die Projekte anderer ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit zu stellen. Letzte Woche habe ich das überprüft und mein Thema wieder ins Zentrum gestellt. Zumindest gedanklich. Das hat gut getan. Es gibt weitere Schritte, die ich unternehmen kann, um das zu verstärken. Das steht noch an wie zum Beispiel mein Vorhaben schriftlich festzuhalten oder in Bildern. Automatismen sind stark - deswegen geht es darum, immer wieder hinzuschauen: Worauf konzentriere ich mich gerade? Nehme ich mich wichtig und meine Wünsche und Bedürfnisse oder habe ich wieder jemand anderes ins Zentrum meiner Gedanken, meiner Taten genommen? Also: Überprüfen - korrigieren - auf mich selbst konzentrieren.

Mein Verhalten zeigt, dass mir andere Menschen sehr wichtig sind und ihr Wohlbefinden. Es zeigt auch, dass ich mich gut für andere begeistern kann und in ihre Projekte viel Energie fließen lassen. Bis zu einem gewissen Grad ist das ok, doch wir sind nicht für andere Menschen auf der Welt. Wir sind für uns selbst hier. Um das zu tun, was wir für richtig halten, was uns bewegt.

Nein, das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit seelischer Gesundheit. Es schließt die anderen nicht aus, sondern setzt die Reihenfolge richtig. Gleich wie bei der Flugzeug-Notfall-Regel. Nur wenn es mir selbst gut geht, kann ich auch für andere da sein. Und manchmal bin ich dadurch dass ich etwas für mich tue, für andere da. Wenn es mir selbst gut geht, geht es meinem Umfeld automatisch auch besser.

Heute nehme ich mir vor, meine Herzenswünsche bewusst in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit zu stellen. Und ich werde einen Schritt nach vorne gehen und ihm so mehr Energie und Auftrieb geben.

Herzliche Grüße vom Weg zu einem selbstbestimmten Leben

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 15 Juli, 2014
Thema: Blog - 2014, 2. Halbjahr, Blog - Psychologie

Vielleicht kommt das Leben ganz leise daher?

Bei Unzufriedenheit spüre ich den Drang, aktiv werden zu müssen. Etwa: "Ich muss mich jetzt endlich bewegen. Ich muss das Thema unbedingt klären. Wenn ich diesen Experten anspreche, dann ist mein Problem geklärt. Ich muss nur das Buch lesen, dann weiß ich weiter. Ich muss die Übung noch ausprobieren, dann habe ich die Lösung. Wenn ich das mache, dann passiert das endlich... usw."

Doch ich habe nicht die Kraft, den Antrieb, die Lust, die Zeit, das Geld .... diese von meinem Verstand vorgeschlagenen Dinge auf den Weg zu bringen. Irgendwelche Blockaden halten mich (aus gutem Grund) davon ab. Also verdränge ich, lebe den Alltag und komme irgendwann wieder an den Punkt der Unzufriedenheit. Und ärgere mich, nicht aktiv geworden zu sein, denn dann wäre das Problem ja längst gelöst... Das glaube ich dann zumindest diesen einen Moment lang.

Heute früh beim Spaziergang mit unserer Minu hing ich meinen Gedanken nach, hörte die Vögel singen, sah die bunten Farben der Blätter auf den Bäumen und auf den Steinplatten des Weges, berührte mit meinen Schuhen die heruntergefallenen Kastanien, schmiegte mich in die Winterjacke, die Wärme tat mir so gut. Dann kam mir dieser Gedanke in den Sinn:

"Was, wenn das Leben ganz leise daher kommt?"

Wenn Veränderungen nicht durch Aktivismus in Bewegung kommen - was ja durchaus eine Möglichkeit sein könnte (nur wäre es dann die richtige?) - sondern sie aus meiner inneren Stille heraus entspringen. Wenn Neues aus der Ruhe in mir entsteht. Aus dem ganz bei mir sein. Bei der Besinnung auf die einfachen Dinge. Den Alltag leben. Meine Aufgaben mit Liebe ausführen. In die Stille gehen. Meinen Körper spüren. Austausch mit meiner inneren Stimme. Leise sein in mir selbst und mich von dem Druck einer - wegen meiner Unzufriedenheit scheinbar so nötigen - Veränderung zu lösen. Wissend, ich kann sie nicht mit Aktionismus herbeiarbeiten, ich kann meine Lösung nicht durch die Lösung oder den Rat anderer herbeizaubern, nicht durch noch etwas versuchen und nochwas und nochwas und nochwas.

... sondern durch einfach da sein und leben. Mein Leben annehmen, wie es gerade ist. In Meditation, Entspannung, Fantasiereisen mein Inneres besuchen. Die Natur wahrnehmen und mich daran erfreuen. Mir bewusst machen, was mir niemals genommen werden kann: Meine Liebe für mich selbst. Die Liebe anderer Menschen, die ich fühlen durfte und darf. Die Natur, die Liebe und Schönheit der Tiere. Frisches Wasser. Regen. Früchte im Sommer und Herbst. Blumen. Wind. Feuer. Das Grün und das Bunte der Natur. Die Veränderung der Jahreszeiten. Das Lachen. Die Wärme der Sonne. Meinen Körper spüren...

Ich fühle Reichtum, wenn ich an all das denke. Und wenn ich durch all das auf einmal so nah bei mir selbst bin, dann fühle ich meinen inneren Goldschatz, die Wärme und Kraft meiner Seele. Sie wird immer da sein, denn das bin ich.

Und während ich mich auf all das konzentriere, das 'am Gras ziehen wollen' dabei vergesse und auch all die destruktiven Gedanken - die ja nur in meinem Kopf sind und keine echte Gefahr darstellen - ist das 'gute' Leben auf einmal spürbar. Es ist da und mit ihm und dem Genuss des Moments und seiner Fülle eine tiefe Zufriedenheit.

Ich brauche keine Veränderung unter Druck mehr. Weil ich glücklich bin. In mir selbst. Zufrieden. Angekommen. Im Hier. Im Jetzt. Voller Liebe für das was ist.

Tief durchatmen. Das klingt wunderbar. So leise und sanft. In Liebe und in Frieden mit mir selbst sein. Und dann öffnet sich eine Türe, die vielleicht viele Jahre, Monate, Tage und Stunden verschlossen war.

Alles Liebe

Ihre Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 14 Oktober, 2013
Thema: Blog - 2013, 2. Halbjahr, Blog - Psychologie

Psychologie: Hilfe für die Seele. Ende mit dem Tabu.

"Was bedeutet es eigentlich, 'verrückt' zu sein? Und was ist normal? Wieso wird jemand gegen seinen Willen eingewiesen?" Diese Fragen haben mich zu Beginn meiner Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie interessiert. Ich habe während dieses Jahres Antworten bekommen. Vorurteile abgebaut, Verständnis entwickelt, noch mehr Mitgefühl und eine Offenheit, die mir kostbar ist.

Ich möchte mit diesem Beitrag nicht sagen, dass in Psychiatrie und Psychotherapie alles in Ordnung ist. Es gibt dort wie in jedem Bereich Licht und Schatten. Mir ist es wichtig, das Tabu zum Bröckeln zu bringen, das Menschen abstempelt, die seelische Unterstützung brauchen und sich auch holen. Es wäre so schön, wenn es zur Selbstverständlichkeit wird, die Seele behandeln zu lassen. Damit viel mehr Licht in den Schatten des psychischen Leids kommt, an dem nicht nur der Betroffene selbst leidet, sondern auch sein Umfeld.

Ich kannte aus Filmen vor allen Dingen Abschreckendes aus dem Bereich der Psychiatrie - wie gegen den Willen durchgeführte Elektrokrampfbehandlungen oder Menschen, die schreiend in Zwangsjacken gesteckt und abgeführt wurden oder aus Krimis Menschen, die unterschiedliche Persönlichkeiten haben (erstaunlich, welch geringe Rolle die Multiple Persönlichkeit nur in der Prüfungsvorbereitung spielte und wie überpräsent sie in Filmen dargestellt wird...).

Zwei Beispiele für Vorurteile, die ich für mich lösen konnte:

Vorurteil 1: Wer in der Psychiatrie ist, bekommt gegen seinen Willen Elektrokrampfbehandlungen. Das hat mit der Realität wenig zu tun. Die heutige Elektrokrampfbehandlung (EKT) hat nichts mit den Zwangsbehandlungen zu tun, die in Filmen gezeigt wurden. Die EKT wird heute - nur MIT Einverständnis des Patienten - zum Beispiel bei schweren, therapieresistenten Depressionen mit Erfolg eingesetzt. Die Patienten bekommen zuvor ein Mittel, dass die Muskeln entspannt und sie wird unter Narkose durchgeführt. Erschreckend wie unterschiedlich Wirklichkeit und Fiktion sind - das tragische: Es werden Ängste ausgelöst, die gar nicht sein müssen.

Vorurteil 2: Benimmt man sich außerhalb der Norm oder äußert Suizidgedanken, besteht die Gefahr, zwangseingewiesen zu werden. Doch das passiert zum Glück nicht so leicht, es müssten bestimmte Kriterien dafür vorliegen. Geregelt ist die Zwangseinweisung im Psychisch-Kranken-Gesetz (kurz PsychKG), das für jedes Bundesland etwas anders ausgeführt ist. Einen Überblick und Links zu den einzelnen Landesgesetzen gibt Wikipedia. Hier was ich gelernt habe (Nordrhein-Westfalen), mit meinen Worten wiedergeben und ohne Anspruch an Rechtsgültigkeit:

Für eine Zwangseinweisung muss eine unmittelbar bevorstehende Selbst- oder Fremdgefährdung aufgrund einer psychischen Erkrankung vorliegen, die nicht anders abgewendet werden kann. Eine unmittelbar bevorstehende Selbstgefährdung ist beispielsweise, wenn jemand sagt: "Ich will nicht mehr leben und bringe mich jetzt um." Er kann und will sich von diesem Vorhaben nicht mehr distanzieren. Fremdgefährdung ist, wenn jemand einer anderen Person etwas antun will. Hintergrund: Es gibt Situationen und Störungen, die die eigene Steuerungs- und Handlungsfähigkeit beeinflussen und zu Gewalttaten - auch gegen sich selbst - führen können. Deswegen ist der Arzt, Therapeut verpflichtet, den Betroffenen auch gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik einzuweisen - zum Schutz des Patienten. Eben weil er sich nicht mehr selbst helfen und schützen kann.

Doch auch bei Vorliegen dieser Kriterien müssen weitere Voraussetzungen erfüllt werden: Es muss ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden, ein Antrag beim Vormundschaftsgericht gestellt und ein Richter muss der Zwangseinweisung zustimmen. Liegt der richterliche Beschluss nicht bis zum Ende des auf die Zwangseinweisung folgenden Tages vor, muss der Patient wieder aus der Klinik entlassen werden.

Also so schnell wird man nicht eingewiesen. Auch die fehlende Bereitschaft, sich behandeln zu lassen, reicht alleine nicht zur Zwangseinweisung. Solange man einem anderen oder sich selbst akut nichts antun will oder gefährdet, passiert einem nichts. :o) Übrigens gehört es zur Sorgfaltspflicht, Betroffene vor einer Zwangseinweisung darüber aufzuklären, sich auch freiwillig einweisen lassen zu können. Der große Unterschied: Nicht das Gericht entscheidet dann über die Entlassung, sondern der Betroffene selbst. Und noch eine Information, die ich in dem Zusammenhang wichtig fand: Man kann nicht gezwungen werden, Medikamente einzunehmen. Nur bei Gefahr im Verzug (zum Beispiel starke Erregung, jemand schlägt um sich und gefährdet sich oder andere) ist die Behandlung ohne Einwilligung möglich.

[Wer Anmerkungen oder Korrekturen zu den genannten Informationen hat, ist herzlich eingeladen, mir zu schreiben.]

Mir ist auch klar geworden, warum Psychotherapie oder Psychatrie so ein Tabu in Deutschland ist: Im zweiten Weltkrieg wurden psychisch Kranke und geistig Behinderte inhaftiert, zwangssterilisiert, ausgehungert und über 150.000 von ihnen ermordet! Als ich das in einem Fachbuch las, machte mich das betroffen und traurig.

Solche Erfahrungen sitzen wie ein Albtraum in den Erinnerungen von Generationen fest. Auch in den Jahrhunderten davor wurden an Geist und Seele Erkrankte von der Gesellschaft ausgegrenzt. Kein Wunder, dass der Besuch beim Therapeuten oder beim Psychiater für viele ein Tabu ist, dessen Möglichkeit weit von sich gewiesen wird. Ich verstehe das Verhalten seit dem. Das Gute: Man kann seine Meinung und Einstellung ändern. Jederzeit - nur ein Gedanke entfernt. Erst seit 1970 sind psychische Krankheiten übrigens als eigenständige Krankheiten anerkannt.

Jetzt - Ende 2012 - ist es mehr als an der Zeit, das Tabu rund um die Seelenheilkunde (=Psychiatrie) und Seelenpflege (=Psychotherapie) aufzulösen und das Stigma zu beenden.

Es sollte eine liebevolle Selbstverständlichkeit sein, die Seele zu pflegen und behandeln zu lassen. Genau wie es jeder mit seinen Haaren, seiner Haut, einem Schnupfen und bei einem Herzinfarkt macht. Auch die Seele kann einen Infarkt bekommen, es kann einen Schnupfen im Kopf geben, die Haut der Seele kann nach Belastungen sehr dünn werden. Das ist nichts verrücktes, sondern eine normale Reaktion. Und auch dafür gibt es Hilfe - wie für einen Schnupfen in der Nase.

Die Abwertung seelischer Hilfe forciert, dass sich Menschen nicht trauen, diese in Anspruch zu nehmen. Sie bleiben mit ihren Sorgen alleine, was ihnen nicht hilft, ihr Leid zu überwinden. Auch deswegen ist es wichtig, dass es zur Normalität wird, sich psychologische Hilfe zu holen und sich behandeln zu lassen.

80% der Menschen mit einer Depression haben schon mal daran gedacht, nicht mehr leben zu wollen - die meisten Menschen denken das im Laufe ihres Lebens einmal. Wussten Sie, dass die Zahl der Menschen, die sich selbst töten (10.021 in 2010) mehr als doppelt so hoch ist wie die Zahl der Verkehrstoten (3.942)?

Mich hat diese Tatsache geschockt und traurig gemacht. Das jüngste Alter wurde übrigens mit fünf Jahren angegeben! (Quelle: Statistisches Bundesamt, Todesursachenstatistik)

Wir brauchen Toleranz, Offenheit, ein offenes liebevolles Herz und Ohr, um Menschen zuzuhören, denen es seelisch nicht gut geht oder die fühlen, das Leben macht keinen Sinn mehr. Es gibt dafür Lösungen und seelischer Schmerz verändert sich ebenso wie der körperliche bei einer Operationswunde. Das bleibt nicht ewig so, es wird besser - und dafür gibt es vielfältige Anlaufstellen von Selbsthilfegruppen über Austausch im Netz bis zu den professionenen Helfern in Arztpraxen, von der Krankenkasse finanzierten Therapien, auf Fachgebiete spezialisierte Kliniken, HeilpraktikerInnen und viele weitere.

Manchmal reicht es schon, sich einfach mal auszuquatschen, bei einem Menschen, der einem wirklich zuhört.

Eine direkte und praktische Möglichkeit zum Entlasten der Seele ist zum Beispiel die Telefonseelsorge. Unter ihrer kostenfreien Nummer 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 kann man anonym sein Herz ausschütten - zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Auf der Internetseite 'Freunde fürs Leben', bei der viele Stars mitmachen, gibt es praktische Informationen und kleine Filme rund um Suizidalität und Depressionen. Es gibt viele Menschen, die nicht verurteilen, sondern Verständnis haben, auf Hilfegesuche reagieren und Hoffnung machen.

Ich selbst habe drei Psychotherapien gemacht. Bei der ersten wollte ich ein paar Erinnerungen aus der Vergangenheit besprechen und es wurde zu einer Begleitung während einer intensiven beruflichen Zeit, in der ich so vieles leichter nehmen konnte. Bei der zweiten brauchte ich nach meinem Brustkrebsverdacht Hilfe, diesen Schock zu verdauen und endlich wieder mehr für mich selbst zu tun, statt 'nur' zu arbeiten. Und bei der dritten wollte ich u.a. wissen, warum ich mein Übergewicht brauche und was ich dabei am stärksten lernen durfte, war meinen Körper zu lieben so wie er ist. Ein wundervolles Geschenk. Ich habe von jeder Therapie profitiert und finde diese Hilfe wunderbar.

Der Seele einen Ort geben, wo sie geliebt und angenommen wird und gesund werden kann, das finde ich ein schönes Bild.

Ich habe durch die Ausbildung in den letzten Monaten so viel über mich selbst, meine Seele und ihre unterschiedlichen Facetten kennen gelernt und mich selbst besser begriffen. Da wird es auch noch viel zu begreifen geben, denn jedes neue Wissen ist ein Puzzlestein mehr, zu verstehen warum ich bin wie ich bin. Das ist so spannend und bereichernd.

Keine Therapie war leicht für mich oder ein Zuckerschlecken. Mit seelischem Schmerz in Verbindung kommen, ist anstrengend. Kurzfristig tut das weh, langfristig schafft es Linderung.

Das schönste, was ich aus allen Therapien mitgenommen habe, ist mich selbst mehr anzunehmen und zu lieben wie ich bin. Besonders aus der letzten. Das ist keine Erkenntnis, die sich mit einem Pling in den Kopf setzt und ab dann behandle ich mich sehr nett. Es ist eher eine lebenslange Aufgabe, mir selbst so viel Liebe, Verständnis und Aufmerksamkeit zu schenken wie ich anderen Menschen gebe.

Tischkalender 2013 - Ein gutes Leben

Vielleicht bin ich deswegen auf dieser Welt. Vielleicht möchte meine Seele genau das lernen: Mich selbst lieben wie ich bin.

Auf diesem Weg unterstützen mich jeden Monat auch meine Kalender. In 2013 sind deren Titel: 'Ich gehe meinen Weg' und 'Ein gutes Leben'. Das Bild oben stammt aus einem der beiden. Sie können die Kalender hier anschauen und kaufen.

Von Herzen

Anja Kolberg

Mehr meiner Artikel rund um die Psychologie: Blog - Psychologie und Blog - Mich selbst annehmen und Blog - Dunkle Tage und Blog - Innere Stimme und Blog - Inneres Kind 

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Mittwoch, 12 Dezember, 2012
Thema: Blog - 2012, 2. Halbjahr, Blog - Psychologie

Juchuuuu! Bestanden!

Ich habe letzte Woche Dienstag die Prüfung zur Heilpraktikerin (Psychotherapie) bestanden. *HÜPF*TANZ*SING*SCHREI-LAUT-VOR-GLÜÜÜÜÜÜCK*

Im Dezember 2011 fiel der Entschluss und seit Anfang dieses Jahres habe ich auf dieses Ziel hingearbeitet. Was war das für ein Jahr!

Endlich, nach so vielen durchlernten Sommertagen, Wochenenden, Abendstunden, Fahrten zu Kursen, Lerngruppen, Coachings - und Lernen bei Baulärm - teilweise von morgens bis spät - ist es endlich vorbei. Was habe ich mich gefreut, als die Psychiaterin nach der mündlichen Prüfung mein Buch ansprach und ob es ein neues geben würde. Ich fühlte mich so von ihr gesehen. Ein schönes Gefühl und ein Wink hinein in die Zukunft.

Für mich war - trotz allem Lernen - der Gedanke an die mündliche Prüfung ein Gefühl wie auf heißen Sohlen über einen gefrorenen See gehen.

Warum? Das Bestehen der schriftlichen Prüfung lässt sich einigermaßen einschätzen, weil ich die Prüfungsbögen früherer Jahre durchtesten konnte. So war abzuschätzen, dass ich sie wahrscheinlich bestehe. Die mündliche Prüfung ist zu einem bestimmten Teil vorhersagbar. Zumindest ist es an 'meinem' Prüfungsort so und ich hatte so viel Verunsicherndes gehört.

Durch all die Kurse und das Lernen in den letzten Monaten habe ich versucht, so viel Sand wie möglich auf das glatte Eis zu werfen, um nicht auszurutschen und wiederholen zu müssen.

Im Sommer, als ich nach dem Besuch in Stansted und nach meiner langwierigen Erkältung vier ewig dauernde Wochen einfach nicht mehr ins Lernen fand - da gab ich innerlich auf , weil ich dachte, ich schaffe es zeitlich nicht mehr. Ich sagt mir: "Ok, dann verschiebst du die Prüfung eben ins Frühjahr oder erlaubst dir durchzufallen, sammelst dadurch Erfahrungen und machst die Prüfung im Frühjahr nochmal. Auch das wird dann seinen Grund haben." Das half und ein paar Tage später war ich endlich wieder offen fürs Lernen ...

Kurz vor der mündlichen, als ich wieder mal Druck verspürte, habe ich meiner kleinen Anja versprochen, sie lieb zu haben, egal ob ich durch die Prüfung komme oder nicht. Auch das half.

Im Bild des rutschigen, unkontrollierbaren Eissees zu sprechen: Irgendwann habe ich mich entschlossen, nicht mehr zur Absicherung Sand auf das Eis zu streuen. Ich beschloss, mich meiner Fähigkeiten und allem Gelernten zu besinnen, zu vertrauen und Schlittschuhe anzuziehen, um über das Eis zu gleiten.

Es hat funktioniert!

Mein Verstand war der, der all die Monate zweifelte. Meine innere Stimme versicherte mir von Anfang an, dass ich bestehen würde... Wieder ein Grund mehr, auf meine innere Weisheit zu hören.

Mein letzter Abschluss zur Betriebswirtin im Jahr 2000 war im Alltag untergegangen. Es war sehr wichtig für mich, die jetzt bestandene Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie zu feiern.

Einige Wochen nach der schriftlichen Prüfung fand meine mündliche Prüfung am 6. November 2012 in der Nähe des Benrather Schlosses im Süden Düsseldorfs statt.

Ich hatte mir vorgenommen, anschließend durch den Schlosspark bis zum Rhein zu gehen und dort einen dicken Stein ins Wasser plumpsen zu lassen - sinnbildlich für all die Last, die ich durch die letzten Monate getragen habe. Dieses Bild halft mir, die angespannte Zeit zu bestehen.

So bin ich nach der Prüfung und nach vielen Hüpf-Telefonaten mit meinen Daumendrückern bei strahlend blauem Himmel mit meiner Kamera durch den Schlosspark bis zum Rhein gelaufen. Meine Freude musste ich einfach teilen, so habe ich wildfremden Menschen erzählt, dass ich die Prüfung gerade bestanden habe. War das ein Spaß, ein älteres Pärchen meinte spontan, nachdem sie mir gratuliert hatten, ich könne gleich bei ihnen anfangen. :o)

Am Rheinufer habe ich mir dann einen Stein ausgesucht, ein Stück getragen und dann in hohem Bogen in diesen kräftigen Strom geschmissen. Komisches Gefühl - er war leichter, als ich mir das all die Monate vorgestellt hatte. :o)

Ich fragte zwei nette Frauen, die mir mit ihrem Hund entgegen kamen, ob sie mich fotographieren könnten, ich wollte den besonderen Moment festhalten. Sie erkundigten sich, was es zu feiern gab, gratulierten und eine der beiden ergriff die Kamera, sie fotographiere so gerne. So hatten wir drei unseren Spaß bei der Aktion und ich eine schöne Erinnerung.

Eine ältere Dame meinte, ich müsse mir jetzt was gönnen und noch im Schlosscafé einkehren. Genau nach so etwas hatte ich gesucht. Das war dann mein Abschluss in Düsseldorf: In einem unfassbar schönen Café bei einer köstlichen Schokotorte und einer Tasse Kaffee diesen besonderen Moment genießen.

Falls Sie sich jetzt fragen, was ich mit dem neuen Abschluss machen möchte, so habe ich darauf noch keine klare Antwort. Bisher war es wichtig, die Prüfung zu schaffen. Ich bin noch gar nicht offen für die Zukunft, obwohl damit natürlich spannende Entwicklungen verbunden sein können. Darauf freue ich mich. Ich muss die Anstrengungen dieses Jahres jetzt erst mal verdauen...

Seufz. Ich habe es geschafft. Ich habe es geschafft. Ich habe es endlich geschafft.

So langsam setzt sich die Erkenntnis. Ich habe es wirklich geschafft. Bestanden. Juchu!

In einem zweiten Artikel habe ich über meinen Weg zur Prüfung: Verwirrungen durchstehen, Lernen & Vergessen geschrieben.

E-Card

Eine glückliche
Anja Kolberg.
Heilpraktikerin für Psychotherapie :o)

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Ich erlaube nicht, dass meine Texte und Bilder ohne meine Erlaubnis kopiert und außerhalb dieser Webseite genutzt werden. Wenn Sie das möchten, schreiben Sie mir.

Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 12 November, 2012
Thema: Blog - 2012, 2. Halbjahr, Blog - Psychologie, Frauencoaching-News

Der Weg zur Prüfung: Verwirrungen durchstehen, Lernen & Vergessen

Nach dem Entschluss Ende 2011, die Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie im Herbst 2012 zu absolvieren, stiefelte ich voller Eifer los. Dann begegnete mir einiges, das mich zweifeln lies, ob ich mein Ziel erreichen kann. Und auch das Behalten des Stoffs stellte sich als Herausforderung dar...

Hier mein Weg zur Prüfung, der sehr herausfordernd war und mir gezeigt hat, was ich alles überwinden kann, wenn ich etwas wirklich will.

Für Mitte Januar 2012 hatte ich einen mehrmonatigen Prüfungsvorbereitungskurs gebucht. Der wurde kurz vorher verschoben. Beginn nun im März. Würde damit mein Zeitplan noch klappen? Musste ich mir eine neue Schule suchen?

Es gab viele Verunsicherungen, Stopp-Schilder, Myten und Fragezeichen rund um die Prüfung selbst. Ich fand's richtig zäh, an stimmige und verlässliche Informationen ranzukommen. Ein Teil davon steht in diesem Artikel und die hätte ich gerne von Anfang an gewusst. Hätte ich nicht mein gesamtes Erspartes in den Kurs investiert und noch Budget frei gehabt, wäre ich am liebsten gleich davon gelaufen. Aber so blieb ich. Denn wer sagte, dass Alternativen besser wären?

Das Problem: Es gibt keine Ausbildungsverordnung wie zum Beispiel bei den Lehrberufen, an die sich jeder halten kann. Die Gesundheitsämter verschiedener Städte führen die Überprüfungen zur Heilpraktikerin für Psychotherapie durch (mit zum Teil zwei Jahre langen Wartelisten auf einen Termin). Es gibt eine schritliche Prüfung, die bis auf wenige Ausnahmen deutschlandweit gleich ist und eine mündliche Prüfung, deren Ablauf in jedem überprüfenden Gesundheitsamt anders ist.

Man muss sich auf das verlassen, was die Schulen unterrichten. Die bauen auf Erfahrungen auf, aber keiner kann verständlicherweise garantieren, das man mit dem erlernten Wissen in der mündlichen Prüfung durchkommt. Weil in der mündlichen auch nicht bezifferbare Faktoren eine Rolle spielen oder je nach Ort bestimmte Schwerpunkte gesetzt werden oder unterschiedliche Anforderungen an Therapiemethoden gestellt werden. Von manchen mündlichen Prüfungsorten gibt es Protokolle von Absolventen im Internet zu finden, so kann man ein Gefühl für das spezielle Gesundheitsamt bekommen.

Von meinem Prüfungsort (Düsseldorf, weil ich Köln eine lange Wartezeit galt) gab es leider kaum ein Protokoll im Netz. Das war alles sehr vage und verunsichernd. Ich wollte doch die Prüfung beim ersten Mal bestehen, aber wie sollte das mit den spärlichen Informationen möglich sein?

Deswegen habe ich viel recherchiert, Menschen angesprochen, ob sie mir helfen können. Menschen gefunden, die mir Mut machten. Mich selbst immer wieder motiviert, wenn es mal sehr schwer war. Mir zusätzliche Hilfe geholt, um möglichst gut vorbereitet zu sein.

Schrittchen für Schrittchen fand sich mein Weg zusammen. Es hat mich gerade am Anfang viel Kraft und Zeit gekostet, bis ich die richtigen und verlässlichen Informationen hatte und die Ahnung: Es ist möglich, dass ich es im Herbst schaffen kann.

Jetzt gerade spüre ich, wie stolz ich bin, dass ich es 'trotz allem' geschafft hab und am Ball geblieben bin. Rückblickend waren alle Blockaden hilfreich, denn sie haben mich angespornt, mich von vielen Seiten mit der Materie zu beschäftigen. Ich bin lange nicht so viel beruflich durch die Gegend gefahren wie in diesem Jahr, auch das hatte eine gute Wirkung.

Jetzt ahnen Sie, warum ich so selten gebloggt habe. Ich habe nur einmal im Frühjahr über mein großes Prüfungsprojekt in diesem Jahr hier geschrieben, den Artikel später wieder rausgenommen, weil ich merkte: Ich setze mich damit unter Druck und zerstreue meine Energie. Also Tunnelblick auf die Prüfung und volle Kraft voraus. :o)

Ich besuchte zwei Prüfungsvorbereitungskurse, einen in Köln und auch einen am Prüfungsort in Düsseldorf, um möglichst viel Sicherheit für die dortige Prüfung zu bekommen. Dazu wälzte ich verschiedene Fachbücher, manche gespickt mit so vielen Fachwörten, dass ich dachte, ich lerne eine neue Sprache.

Dann kam die große Herausforderung für mein Gehirn:

Es reicht nicht, den Stoff aufzunehmen, also zu hören oder zu lesen. Ich muss ihn auch wirklich verinnerlichen und verstehen. Und der entscheidende - und längste - Schritt: Das einmal Verstandene auch noch nach Monaten erinnern und mündlich wiedergegeben können. P U H !

Beim Lernen habe ich mit 42 Jahren erfahren, was es bedeutet, keine 19 mehr zu sein wie beim Abschluss meiner Lehre oder 30 wie bei dem Abendstudium zur Betriebswirtin. Das Wissen, zugegeben oft schwere Kost, wollte nicht ohne weiteres in meinem Kopf - obwohl ich es interessant fand.

Fürs Abendstudium 1996-2000 hatte ich ein Buch übers Lernen gelesen und bin damit ziemlich gut gefahren. So las ich im März 2012 zur Auffrischung einen aktuellen Artikel über "effektives Lernen".

Darin berichtete der Autor (ein Student) von einer mutigen Frau, die in ihrem 'hohen Alter' noch mal was neues lernen wollte. Die Frau war 35. :o) Mit 7 Jahren mehr auf dem Konto fand ich das vergnüglich. Wie unterschiedlich Menschen ein 'hohes' Alter beziffern...

Es reichte einfach nicht, zum Behalten des Stoffes nur im Unterricht zu sitzen und zuzuhören. Es war so unglaublich viel Stoff über psychische Krankheiten, Medikamente, den ich noch nie gehört hatte. Wie sollte ich das alles behalten?

Wer Vorwissen hat, kann das neue Wissen einfacher mit dem Bestehenden vernetzen. Es ist dann, als gebe es im Gehirn schon eine Kommode mit vielen Fächern, die dann durchgeschaut, aufgestockt, neu gefüllt oder auch nur abgestaubt werden können. Als Betriebswirtin hatte ich bisher nichts mit den Prüfungsthemen zu tun, da musste überhaupt erst mal eine Kommode her...

Zudem verfüge ich weder über ein fotographisches Gedächtnis, noch gehöre ich zu den Menschen, die einmal Gehörtes nie wieder vergessen.

Ein gelesener Text ist bei mir - flutsch - ziemlich schnell wieder weg.

Gehörtes behalte ich nur dann, wenn es markante Beispiele sind. Oben auf der Grafik steht, was man von dem Stoff behält, je nach dem wie man ihn aufnimmt. Im Unterricht ging es in erster Linie über den Kanal hören & anhand von Beispielen verstehen. Da das Gehörte aber ruckzuck wieder weg war, musste ich einiges tun, um das Skript für mich zum Leben zu bringen, es verinnerlichen zu können.

Ich hatte zwar kein Vorwissen im Gepäck, aber etwas ähnlich Wertvolles: Meine Begeisterung, eine große Neugier auf das Thema und ein klares Ziel vor Augen: Die Prüfung im Herbst 2012.

Bilder behalte ich länger, so habe ich mir die einzelnen Störungsbilder mit Mindmaps (Gedankenkarten) aufbereitet und sie sichtbar an die Wand gehängt. An die Wand gehängt, weil mir ein paar Mal passierte, dass ich die Mindmap abgeheftet hatte. Weil ich den Inhalt nicht gleich wiederholte, vergaß ich ihn und stellte nach ein paar Wochen beim Durchblättern meines Ordners erstaunt fest, was ich schon gemacht hatte...
Was habe ich noch gemacht, um den Stoff zu behalten?
Merkwürdige Merksätze erfunden (die x mal wiederholt, mir gut im Gedächtnis bleiben) oder Zeichnungen angefertigt, die ich mir mit der Memotechnik merkte ... und zwischendurch meinem Gedächtnis hoffnungsvoll für seine tolle Leistung gedankt.

Besonders gut behalten habe ich Themen, die ich mir selbst erarbeitet habe. Zum Beispiel in den Osterferien, wir hatten kurz zuvor Schizophrenie im Unterricht durchgenommen, aber noch nicht die Medikamente zu deren Behandlung, weil sie erst zum Schluss des Kurses auf dem Plan standen. Ich wollte das Bild für mich komplett machen und so habe ich mich unabhängig vom Lehrplan bereits mit den Medikamenten für Psychosen beschäftigt.

Den Stoff habe intensiv durchgearbeitet, in verschiedenen Büchern darüber gelesen, wichtiges in großen Mindmaps rausgeschrieben und Zusammenhänge erkannt. Das erarbeitete Wissen habe ich gleich angefangen zu wiederholen und später realisiert, dass ich für die Prüfung zuviel wusste. :o) Das finde ich aber nicht schlimm, es fühlt sich an wie eine gut sortierte Schublade in meinem Gedächtnis, in der ich mich gut auskenne.

Aufgrund fehlender Leitlinien ist es schwer, das richtige Maß zu finden: Wieviel Stoff muss ich wie sehr ins Detail wissen, um die Prüfung zu bestehen?

Den Stoff habe ich mit der Zettelkasten-Methode und Karteikärtchen wiederholt. Die Kärtchen wurden von Woche zu Woche mehr. Auf dem Bild mein selbstgebastelter Kasten nach der Prüfung.

Laut dem oben erwähnten Studenten mit dem Lernartikel würde es reichen, wenn man die Antwort eines Kärtchens fünf mal gewusst hat, dann könne man sie getreu zur Seite legen. Irgendwann habe ich angefangen, Daten auf die Kärtchen zu schreiben. Ich brauchte doch mehr wie fünf mal, oder? So stellte ich fest wie oft ich die Kärtchen wiederholen musste, damit sie endlich sicher im Kopf waren. Nun ja, es waren weit mehr als fünf mal und ich konnte sie auch nicht irgendwann beiseite legen: Ich musste sie in Abständen von einigen Wochen erneut wiederholen, brauchte dafür wohl weniger Zeit. Neu aufgenommenen Stoff musste ich sofort wiederholen, sonst war er wieder futsch und ich konnte ihn nochmal neu durcharbeiten.
Bin ich froh, dass es nicht nur mir alleine so ging. Und ich bin mir sicher, ich habe jetzt, einige Tage nach der Prüfung - und obwohl ich langfristig gelernt habe - einen Haufen Details vergessen. (Aber die Medikamente für Psychosen, die habe ich immer noch greifbar...)
Vergessen ist normal und mit vielen Dingen so. Was ich vor einigen Jahren mal täglich brauchte und aus dem FF konnte wie Zahlenkombinationen oder Arbeitsvorgänge, die weiß ich heute nicht mehr. Eine gesunde Vorratshaltung des Gehirns. Ungenutztes wird irgendwann entsorgt. :o)

Zweifel, ob ich die Prüfung im Herbst schaffe, waren bis zum Schluss meine Begleiter. Obwohl ich über viel praktische Erfahrung im Coaching verfüge und dabei verschiedene Methoden der Gesprächsführung, die auch im therapeutischen Prozess genutzt werden, in all den Jahren gelernt und angewandt habe. Es war eben viel unbekannte Theorie zu lernen und wer die schriftliche Prüfung bestanden hat, besteht noch lange nicht die mündliche Prüfung...

Ich hatte - wie jeder wohl - wenig Lust, die Prüfung nach einem halben Jahr wiederholen zu müssen. Den Druck, den ich mir gemacht habe, schwächte ich weitmöglich ab: "Ich versuche es auf jeden Fall. Sollte ich durch die Prüfung fallen, mache ich es eben noch mal. Ich habe dann zwar 500 € Prüfungsgebühr investiert, dafür sicherlich wertvolle Erfahrungen gesammelt, die mir für die Wiederholung der Prüfung helfen werden."

Was für Wissen man für die Überprüfung können muss? Ein kleiner Ausschnitt:

  • Rechtliches. Was darf ich, was nicht? Wo sind meine Grenzen, wann sind speziell ausbebildete Therapeuten wichtig und wann ärztliche Begleitung? Wie gehe ich in einem Notfall vor? Was ist Betreuung?
  • Was kann alles an psychischen Symptomen auftreten? Zum Beispiel können die Gefühle beeinflusst sein - depressive Stimmung oder Hochstimmung, gar keine Gefühle mehr spüren oder nur noch ganz wenige. Oder die Energie und der Tatendrang können verändert sein von viel bis gar nichts mehr. Auch das Denken kann verändert sein, zum Beispiel langsamer oder schneller...
  • Bei welchen Störungsbildern (=Krankheiten) tauchen welche Symptome auf? Wie zeigt sich die Krankheit? Wie erkenne ich sie? Wie entsteht sie? Wie viele Menschen sind davon betroffen? Wie werden die Symptome am besten behandelt? Beispiele für Störungsbilder: Demenz, Delirium, Depression, Anorexie, Hypochondrische Störung, Generalisierte Angsterkrankung, Borderline Persönlichkeitsstörung, ADHS...
  • Welche Therapieverfahren sind am wirksamsten? Was sind die wichtigsten Medikamente und welche erwünschten und unerwünschten Wirkungen haben sie? Wann sind Medikamente zur Behandlung wichtig (= Fachgebiet Arzt)? Welche körperlichen Erkrankungen und Medikamente können zum Beispiel depressive Symptome auslösen?

Ich saugte das Wissen neugierig auf. Spannend wurde es, als sich zum Schluss alles zusammenfügte und miteinander verknüpft werden konnte. Ein großer Teil des Wissens ist so interessant und so nah am Menschen und am täglichen Leben, dass ich zwischendurch immer wieder dachte: Warum weiß das 'keiner'? Das ist so wichtig, es müsste in der Schule unterrichtet werden, ein selbstverständlicher Bestandteil des Allgemeinwissens werden.

Noch für keine Prüfung oder keinen Abschluss habe ich so intensiv gelernt wie für diese hier. Mein Respekt vor dem 'kleinen' Heilpraktiker - eingeschränkt auf Psychotherapie - den ich absolvierte und erst recht vor dem 'großen' Heilpraktiker, der den ganzen Körper behandeln darf (den habe ich nicht gemacht) ist enorm gestiegen. Unfassbar, was man zu einem bestimmten Zeitpunkt für ein Wissen abrufen muss!

Seufz. Ich kann noch gar nicht glauben, dass ich es endlich geschafft habe. Vor ein paar Wochen habe ich mir geschworen, meinen Zettelkasten rituell zu verbrennen, mit dem ich all die Monate gelernt habe und der stetig umfangreicher wurde. Die Vorstellung hat mir vor Wochen geholfen, weil ich all die Fragen nicht mehr sehen konnte. Das Wissen kam mir an den Ohren raus.

Nach der bestandenen Prüfung meinte mein Mann, jetzt könne ich den Kasten ja verbrennen. Und da merkte ich: Das will ich gar nicht mehr. Er ist mir so ans Herz gewachsen. :o) Da steckt Wissen drin, das ich aus vielen Büchern, Skripten und Quellen zusammen getragen habe. Nein, es soll bei mir bleiben. *Drück*

Hier können Sie lesen wie ich meine Prüfung gefeiert habe und hier meine Meinung zu Psychologie: Hilfe für die Seele. Ende mit dem Tabu..

Mal sehen, was aus dem in diesem denkwürdigen Jahr 2012 angesammelten Wissen entstehen wird...

Herzlich,

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 12 November, 2012
Thema: Blog - 2012, 2. Halbjahr, Blog - Psychologie

Widerstandskraft

Resilienz Widerstandskraft

Hallo da draußen in der Welt,

ein Artikel über Resilienz (deutsch: Widerstandskraft) sprach mich sehr an und es ist ein Thema, das mich fasziniert.

Resilienz könnte man auch als seelisches Immunsystem beschreiben, das einen extreme Belastungen ohne seelischen Schaden durchstehen lässt. Nelson Mandela ist ein bekanntes Beispiel dafür. Ich fand schon immer faszinierend, wie er die Zeit in Einzelhaft so unbeschadet überstand. Hansjürgen Fenske, den ich kennen lernen durfte und mit dem ich mich austausche, überstand die grausame Zeit als unschuldig inhaftierter Jugendlicher in einem Gefangenenlager nach Ende des zweiten Weltkrieges, ohne bitter zu werden oder zu zerbrechen. Wie schaffen das diese Menschen nur?

Resilienz ist ein Begriff aus der Werkstoffkunde. Es umschreibt Stoffe, die sich auf äußeren Druck einer neuen Form leicht anpassen und auf nachlassen des Drucks in ihre ursprüngliche Form zurückgehen. Das finde ich sehr einleuchtend - und auf die Seele übertragen ein hilfreiches Verhalten.

Nun gehöre ich zu den Menschen, die dazu neigen nach Rückschlägen eher einzuknicken und die eher lange brauchen, bis sie sich von Kritik, Schicksalsschlägen oder Stress erholt haben, zumindest ist das mein subjektives Erleben. Vermutlich spielt meine Hochsensibilität dabei auch eine Rolle. Und weil ich widerstandsfähiger werden will, fasziniert mich das Thema Resilienz. Das Augustblatt des Tischkalenders ist ihr gewidmet.

Wissenschaftler versuchten rauszufinden, was Menschen ausmacht, die widerstandsfähiger sind als andere. Im besagten Artikel untersuchte man eine Gruppe Kinder. Die Widerstandsfähigen zeichneten folgende Eigenschaften aus:

  • das Gefühl: Ich kann mein Leben selbst beeinflussen, was ich tue zeigt Wirkung (statt erlernter Hilflosigkeit*, also der Erfahrung, wenn ich mich einsetze, erziele ich keine Wirkung.)
  • Ein gutes Selbstwertgefühl. (Dazu gehört auch, die Erfahrung zu machen, ich kann meine Probleme aus eigener Kraft oder mit geholter Hilfe lösen, statt sie z.B. von Erwachsenen weggenommen zu bekommen. Also Stärkung der eigenen Lösungsfähigkeit statt Überbehütung.)
  • Ein Mensch, der sie unterstützte, zum Beispiel ein Familienmitglied, Freunde oder eine andere Bezugsperson.
  • Ausgeprägte Sozialkompetenz: z.B. hohe Empathie, früh Verantwortung für andere z.B. Familienmitglieder übernehmen

Gute Nachricht: Widerstandskraft lässt sich lernen - ohne Altersbeschränkung. In einer Studie fand man raus, das alte Menschen eine höhere Resilienz aufwiesen. Die innere Stärke wächst also auch mit dem Alter: Juchu!!!

Unabhängig davon vermute ich auch, je mehr man 'durchgestanden' hat in seinem Leben, desto stärker fühlt man sich. Wer zum Beispiel die Wirrungen des Krieges überlebt und überstanden hat, wie die Generation meiner Großmutter, kann auf einen kraftvollen Reservetank zurückgreifen, indem er sich erinnert, was er schon alles geschafft hat. Wahrscheinlich haut einen dann ein kleiner Windhauch im jetzigen Leben weniger schnell um.

Ich will lernen, widerstandsfähiger zu sein und mich Schritt für Schritt aus meiner alten Haut heraus bewegen. Nun habe ich wie die meisten meiner Generation die Gnade erfahren, keinen Krieg erleben zu müssen, aber auch ich kann auf mein Leben zurück blicken und schauen, was ich schon alles 'überstanden' und durchgestanden habe. Ein schöner Gedanke: Kraft-Erinnerungen sammeln. Das mache ich jetzt mal. Hm, was fällt mir da ein?

Ihre Anja Kolberg

* Erlernte Hilflosigkeit ist ein Phänomen, das auch bei Tieren bekannt ist: Ein Elefantenbaby, das im Zirkus an einem viel zu starken Pfahl angebunden ist, versucht sich vielleicht noch loszureißen. Es gelingt ihm nicht. Ist der Elefant ausgewachsen, verfügt er längst über die Kraft sich zu befreien. Er probiert das aber gar nicht mehr, weil er als Jungtier gelernt hat, dass er keinen Erfolg hatte. So ist das bei uns Menschen auch: Wenn wir als Kind gelernt haben, unser Bemühen ist erfolglos, führt das als Erwachsener dazu, dass wir schon gar nicht mehr probieren etwas in Bewegung zu setzen. Das ist erlernte Hilflosigkeit. Das gute: Man kann dieses erlernte Verhalten ändern.

Genutzte Quellen: Artikel 'Die Stehauf-Männchen' auf netdoktor.de (nicht mehr online)- Blogbeitrag Hochsensibilität - Wikipedia: Resilienz - Beitrag über Hansjürgen Fenske im Kölner Stadtanzeiger, nicht mehr online (Buch: Wie ich meine Jugend überlebte, Lexikus-Verlag, ISBN 978-3940206381) - Dokumentation Fachtagung 2006 'Was Kinder ... stark macht' des Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogig e.V. (nicht mehr online).

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 23 April, 2012
Thema: Blog - 2012, 1. Halbjahr, Blog - Psychologie

Hochsensibilität

Ich bin hochsensibel und auf dem Weg, mich damit besser zu verstehen und anzunehmen.

Erste Berührungspunkte
Vor drei oder vier Jahren stieß ich das erste Mal auf den Begriff Hochsensible Personen (HSP). Der Begriff stammt von der amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron. Sie schätzt ca. 15% der Menschen als hochsensibel ein. Ein Segen, ich bin nicht alleine. :o)

Durch das Ausfüllen des Tests der Gesellschaft zur Förderung und Pflege der Belange hochempfindlicher Menschen - Zart besaitet konnte ich meine Empfindungen einordnen. Denn ich kenne es ja nicht, so zu empfinden wie andere. Das Innenleben lässt sich nicht vergleichen wie eine andere Haarfarbe. Hätte ich blaue Haare, wäre die Sache viel offensichtlicher. :o) Bisher war mir auch nicht klar, dass andere weniger aufnehmen als ich.

Die Forschung steckt lt. Zart besaitet noch in den Kinderschuhen, aber die Testergebnisse könnten Anhaltspunkte und Tendenzen liefern. Mit 300 Punkten lag ich am oberen Ende der Skala, schon ab 163 Punkten gehört man zu den Hochsensiblen Personen. Ich glaube durch meine Umstellung auf eine möglichst pflanzliche Ernährung bin ich noch empfindsamer geworden, denn bei meinem heutigen Test landete ich bei 310 Punkten. Wobei Tagesverfassung und Gesundheitszustand meine Einschätzungen und Wertungen im Test beeinflussen und zu schwankenden Ergebnissen führen.

Was bedeutet Hochsensibilität?
Hochsensible nehmen mehr und intensiver wahr als andere Menschen, erfuhr ich. Da jeder nur eine bestimmte Menge an Reizen - z.B. Lärm, große Menschenmengen, dauerhafte Musikberieselung, Geruch oder Innenreize wie Gefühle, Schmerzen... - verträgt, damit es ihm noch gut geht, ist das Maß beim Hochsensiblen früher voll, weil er mehr wahrnimmt. Er verträgt also nicht weniger, sondern nimmt aufgrund seines sehr empfindlichen Nervensystems mehr wahr (und ist dadurch schneller gestresst, müde, überfordert). Es geht nicht um besser oder schlechter - eher um anders. Unterschiedliche Situationen brauchen Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten.

Was nehme ich bei mir wahr?
Ich kann nicht eindeutig sagen, was zu einer Hochsensibilität gehört, was vom Charakter beeinflusst ist oder da ist wegen der eigenen Geschichte. Dennoch möchte ich es gerne beschreiben: Ich empfinde meine intensive Wahrnehmung zum Teil sehr anstrengend im Alltag. Das grelle Neonlicht im Supermarkt, große Menschenmengen auf engem Raum, die vielen Eindrücke in Einkaufscentern, plötzliche Geräusche ermüden mich, nehmen mir Energie und bringen mich aus dem Gleichgewicht. Ich bin sehr schreckhaft. Während andere die Dinge locker nehmen, kann ich es nicht. Ich bin ängstlich, sehr schmerzempfindlich und leicht innerlich verletzlich. Ich brauche ganz bestimmte Rahmenbedingungen, um mich wohl zu fühlen und brauche Zeit nur mit mir alleine, um in Ruhe - am liebsten in der Natur oder einer schönen Umgebung - meine Energiereserven wieder aufzufüllen. Ich kann in bestimmten Situationen extrovertiert, fröhlich, lustig, mitreißend und ausgelassen sein, bin aber je nach Umgebung genau das Gegenteil und ziehe mich zurück. Ich habe den Anspruch an mich, alles richtig zu machen und mir ist es wichtig, andere nicht bewusst seelisch zu verletzen und dies unbedingt zu vermeiden. Löse ich dennoch bei einem anderen Traurigkeit oder andere schmerzliche Gefühle aus, ist das schlimm für mich. Ich bin gefangen in meinen Gefühlen, Selbstzweifeln, Schuld.

Die Gefühle anderer Menschen nehme ich wahr, wenn ich in ihr Gesicht schaue oder sie beobachte. Dann spüre ich, ob es ihnen gut oder schlecht geht, ob sie krank sind, Sorgen haben oder unzufrieden sind. Natürlich prüfe ich das nicht, in dem ich die Menschen frage, doch ich habe von meiner Therapeutin erfahren, dass Spiegelneuronen im Gehirn dafür sorgen, ich kann meiner Empathie vertrauen.

Wenn mein Mann sich verletzt und ich sehe das oder er zeigt mir seine Brandwunde, spüre ich einen tiefen, stechenden Schmerz. Mir fällt eine Begebenheit ein, wo ich sah, dass es unserem Hund nicht gut ging, mein Mann dies jedoch abwiegelte. Kurz darauf erbrach sich unser Hund.

Meine Empfindlichkeit ist auch abhängig von meiner körperlichen Verfassung, zu Beginn meiner Regel bin ich extrem empfindlich. Ich habe ich das Gefühl doppelt so viel zu hören wie sonst, Berührungen schmerzen fast. Ich muss dann sehr auf mich achten, mich ausruhen und zurück ziehen, damit es mir gut geht.

Schlechte Saiten
Es gibt Zeiten, da fällt es mir schwer, dieser Hochsensibilität etwas positives abzugewinnen. Besonders, wenn ich mal wieder sehr empfindlich reagiere und ich mir wünsche, doch einfach cool zu sein und die Dinge entspannter zu sehen, dies aber einfach (und auch schwer) nicht geht. Zum Beispiel wenn andere in meiner Gegenwart schlechte Laune haben, sich ablehnend und gereizt mir gegenüber äußern. Es gibt Momente, in denen ich solche Situationen verlassen kann, oft ist das aber nicht mögich. Für einen hochsensiblen Menschen wie mich, der eine angenehme Stimmung braucht und ein gutes Gefühl, um sich wohl zu fühlen und wenig Stress zu haben, eine sehr schwierige und anstrengende Sache.

Obwohl ich verstandesgemäß weiß, die Stimmung des anderen bedeutet nicht gleichzeitig, ich bin Verursacher dessen Stimmung (sondern sie hat mit ihm selbst zu tun), bekomme ich diese Gefühle ab und fühle mich unwohl in deren Gesellschaft. Es gibt Menschen - mein Mann gehört zu ihnen - denen macht es kaum etwas aus, wenn ein anderer miese Stimmung hat. Er kann sich davon gut abgrenzen. Dann wünsche ich mir, genau so zu sein, die Gefühle anderer nicht an mich ran zu lassen, mich davon nicht beeinflussen zu lassen, nicht an mir zu zweifeln und mich nicht schuldig zu fühlen. (Eben zu sein wie ich nicht bin.)

Selbstzweifel machen das Leben nicht leichter, besonders wenn ich mich wie das hässliche Entlein - einfach am falschen Platz fühle. Dabei geht es darum, mich selbst anzunehmen wie ich bin. Nicht leicht... Da liegt jede Menge Lernpotenzial und obwohl ich schon intensiv seit Jahren an mir arbeite und reflektiere, sind immer noch Baustellen da. Ich bezweifle auch, dass alle Probleme jemals aufhören werden. Schließlich - so ist meine Auffassung - bin ich als Seele hier auf der Erde, um zu lernen und zu reifen.

Ich glaube schon, dass es mir mit der Zeit immer besser gelingt, mich abzugrenzen und zu entscheiden, was ich aufnehmen möchte und was nicht und da ist mir auch schon vieles gelungen. Ich lasse heute den Anspruch an mich los, alles auf einmal zu lösen. (Und damit be-frei-t zu sein. Denn diese Empfindsamkeit gehört zu mir und lässt sich nicht wegzaubern. Obwohl ich vermute, sie lässt sich durch Medikamente oder Drogen unterdrücken oder abschwächen - allerdings keine Optionen für mich.)

Guten Saiten
Es gibt auch positive Seiten. Juchuuuu! Für meine Arbeit als Coach kann ich meine Empathie erfolgreich einsetzen und auch bei der Gestaltung der Kalender scheinen sie eine Rolle zu spielen. Zart besaitet hat eine schöne Präsentation erstellt, in der sie die Stärken der Hochsensiblen beschreiben:

Feine, detailreiche Wahrnehmung. Intensive Vorstellungskraft, visionär, Schönheit & Harmonie sind ihnen wichtig. Denken in komplexen Zusammenhängen. Sie sehen Querverbindungen, die anderen nicht auffallen. Meist haben sie hohe ethische Standards, achten auf Minderheiten und fühlen sich dem Allgemeinwohl verpflichtet.

Es tut gut, mir die guten Seiten bewusst vor Augen zu führen, gerade wenn ich mit den anstrengenden Seiten konfrontiert bin.

Mir fiel beim Betrachten der Präsentation ein, wie wichtig mir als Kind schon Gerechtigkeit war und die kleinsten und schwächsten zu schützen. Nicht umsonst haben wir einen Hund, der im Wurf übrig geblieben ist, weil er einen Geburtsfehler hatte. Natürlich wollte ich genau den!

Weitere Informationen: Zart besaitet - Informations- und Forschungsverbundes Hochsensibilität e.V. - Wikipedia über Hochsensibilität

Diesen Artikel habe ich unzählige Male begonnen. Endlich habe ich ihn fertig gestellt. Ich bin so froh, habe ich mich durch das Schreiben noch intensiver verstanden. Und mich selbst verstehen - das fühlt sich an wie nach Hause kommen!

Von Herzen,

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 17 November, 2011
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Vergleichen kann auch der Anfang von Glück sein

Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit, lautet ein bekanntes Zitat von Sören Aabye Kierkegaard. Das habe ich auch so erlebt und im Februar 2009 berichtet, wie schwer es sich für mich anfühlt, mich mit anderen zu vergleichen und im August 2009, dass dieser Blick immer nur eine Seite der Medaillie beleuchtet.

Vergleichen kann aber auch etwas positives auslösen und damit der Anfang von Glück und das Ende von Traurigkeit sein.

Wann das der Fall ist? Zwei Beispiele:

Beispiel 1
Ich habe diese Gedanken: 'Ich bin die einzige, die so fühlt.' 'Ich bin die einzige, die diese Probleme hat.' 'Keiner versteht mich.' Welch positives Erwachen, dann auf Menschen zu treffen, denen es ähnlich geht wie mir. Das passierte zum Beispiel in meinen Berufsworkshops, wo sich Menschen trafen, die unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation waren. Auf einmal waren sie nicht mehr alleine mit ihren Gefühlen, Gedanken und Wünschen. Im gewohnten Umfeld passiert es schnell, die Einzige/der Einzige mit diesem Problem zu sein und auf Unverständnis zu treffen.

Im Vergleich mit Gleichgesinnten erfährt man: 'Hey, ich bin normal und ich bin nicht alleine.' und gewinnt an Kraft und Selbstbewusstsein. Menschen, die ein ähnliches Ziel oder Bedürfnisse haben trifft man in Internetforen, in Vereinen, in Kursen, auf Veranstaltungen. Vergleichen - mit den richtigen Menschen - wird hier zu einem beglückenden Gefühl.

Beispiel 2
Ich denke: 'Die anderen sind besser als ich. Was die können, kann ich niemals.'

Wer längere Zeit raus aus dem Berufsleben ist, entwickelt solche Gedanken schnell. Oder wenn ich längere Zeit etwas nicht gemacht habe (Sprache gesprochen, PC-Programme genutzt, längere Strecken mit dem Pkw gefahren...) oder wenn ich etwas neu lernen muss. Man verliert schnell das Gefühl, ob es ok ist, so wie es ist. Die Ansprüche an sich selbst gehen schnell in Illusionen über, wie viel man leisten muss, wie schnell man sein muss. Ideale werden entwickelt, die kein Mensch erfüllen kann.

Solche Illusionen lösen sich bei dem Vergleich mit der Realität auf. Dann wird das Vergleichen der Anfang von Glück. Ich höre auf zu glauben, ich bin nicht gut genug, ich schaffe das nicht und andere sind besser als ich. Jetzt weiß ich: 'Hey, was ich leiste, wie ich bin, was ich kann, ist gut und in Ordnung so.' Durch das Vergleichen mit der Realität wird das - zunächst negative - Selbstbild auf ein gesundes Niveau gebracht.

Wo hat man die Chance, sich zu vergleichen? In der Schule war früher durch die Notenvergabe klar, wo man stand. Das führte bei mir, zumindest in den Fächern, in denen ich gut stand, zu einem guten Selbstbewusstsein, aber auch zur Verunsicherung - zum Beispiel im Fach Sport, welches nicht meines war...

In meinem Abendstudium zur Betriebswirtin hatte ich das große Glück, einen guten Dozenten für Betriebswirtschaft und Rechnungswesen zu haben. Sein Feedback zu den einzelnen Klausuren hat mir wertvolles Selbstbewusstsein gegeben, von dem ich heute noch zehre. Es hat mir geholfen, mich einzuordnen, ein Gefühl für meine Leistung zu bekommen. Es fiel auf so dankbaren Boden, weil ich ein Mensch bin, der eher an sich zweifelt (auch wenn man mir das von außen nicht ansieht/anmerkt). Das Feedback war ein so wertvolles Geschenk für mich, dass ich meinem Dozenten und Klassenlehrer nach zehn Jahren nochmal schriftlich dafür dankte.

Jeder Mensch braucht positives Feedback, um sich einordnen zu können. Ob in der Kindheit, in der Schule, im Beruf, im Privatleben. Es hilft, ein gutes Gefühl für sich selbst zu bekommen. Vergleich ist hier kein 'ich bin besser/schlechter als andere', sondern ein 'ich bin ok, so wie ich bin' und ich habe einen Platz im Leben.

Ich wünsche jedem Menschen, genug Anerkennung und Feedback zu bekommen, um sich sicher und gewertschätzt zu fühlen.

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 07 Oktober, 2011
Thema: Blog - 2011, 2. Halbjahr, Blog - Lieblingsartikel, Blog - Psychologie

So ist es manchmal...

Hallo Ihr lieben Menschen da draußen in der Welt!

Heute bin ich wegen Hundebauchweh ans Haus gefesselt, obwohl ich eigentlich ins Bergische zu meiner Familie fahren wollte... Schnief. Gestern hatte ich Muffins gebacken, die ich heute mitnehmen wollte. Die werde ich jetzt wohl alleine futtern oder einfrieren... Gut, nützt alles nichts. So ist es manchmal. Heute ist also mein Krankenschwester-Tag inklusive Pfötchenhalten und Bauchkraulen... Ah, jetzt hat sich unsere Minu mit einem Seufzer aufs Sofa geschmissen. Das sieht gut aus. Entspannung...

Seit letzter Woche beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema "Selbstsabotage" und komme so auch wieder in Kontakt mit den Emotional Freedom Techniques (EFT), einer Selbsthilfetechnik, die ich 2002 kennen gelernt habe. Es handelt sich dabei um eine routinierte Klopfakupressur bestimmter Meridianpunkte des Körpers mit dem Ziel, sich von belastenden Gefühlen zu befreien, Blockaden zu lösen und ins seelische Gleichgewicht zu kommen. Damals habe ich die Methode begeistert genutzt - in den letzten Jahren habe ich sie jedoch regelrecht vergessen... bis ich über die Recherche zu Selbstsabotage wieder dort landete. Innere Blockaden können mich davon abhalten, ein Ziel zu erreichen oder ein negatives Gefühl loszulassen. Also obwohl mein Kopf "ja" sagt und ich offensichtlich etwas ändern will, werde ich jedoch nicht aktiv, unternehme keine Schritte. Irgendwas hält mich innerlich davon ab, mein Ziel zu erreichen, freier zu werden.... Es ist, als würde ich gleichzeitig Gas geben und mit dem anderen Fuß eine Vollbremsung machen. Ich sabotiere mich selbst.

 

Beispiel: Ich nehme mir vor, abzunehmen und esse gleichzeitig genau wie vorher weiter. Natürlich gibt es da den inneren Schweinehund, die liebe Bequemlichkeit, die zu überwinden sind - doch daneben gibt es eben auch die innere Blockade, zum Beispiel, wenn ich in Wirklichkeit Angst davor habe, schlank und schön zu sein, weil ich dann nicht mehr von (bisher) Gleichgesinnten gemocht werde oder wenn ich gelernt habe, dass nur dicke Menschen eine starke Psyche haben oder... Vom Verstand her, weiß ich, dass meine inneren Annahmen nicht stimmen, denn um beim Beispiel zu bleiben, natürlich haben auch dünne Menschen eine starke Psyche. Doch in dem Moment wirkt in mir das, was ich irgendwann einmal für mich als wahr angenommen habe. Und diese Annahme arbeitet in meinem Unterbewusstsein gegen mein Ziel, schlanker zu werden. Da diese falsche Wahrheit dort schon sehr lange sitzt, wirkt sie stärker als ein noch so verlockendes Ziel... Solange, bis ich sie entdeckt habe.

Es dauert eine zeitlang, bis man einem solchen Mechanismus auf die Spur kommt. Einmal bewusst geworden, kann man sich aufmachen, die Ursachen - also die blockierenden Einstellungen/Überzeugungen/Erfahrungen aufzufinden und sie aufzulösen... Damit beschäftige ich mich gerade.

Viele Grüße von der bald ehemaligen Sabotage-Königin. :o)

Anja Kolberg
Erstellt durch: Anja Kolberg am Dienstag, 01 Juni, 2010
Thema: Blog - 2010, 1. Halbjahr, Blog - Psychologie

Rechte, Macht, Erwartungen & Selbstverantwortung

Durch Zufall fand ich die Seite von streetwork.ch und dort vier wirklich wunderbare und sehr lesenswerte Texte über

Kompliment für diese tollen Texte!
Ich lese sie immer wieder gerne durch und erfahre durch sie eine Stärkung. Danke an das Team von Streetwork.ch
Anja Kolberg
Erstellt durch: Anja Kolberg am Donnerstag, 28 Juni, 2007
Thema: Blog - 2007, 1. Halbjahr, Blog - Psychologie

... dann wird alles besser

Irgendwann ertappte ich mich bei dem Gedanken: "Wenn ich das erreicht habe, dann wird alles besser."

Wie komme ich auf die Idee, dass es mir dann gut geht? Es ist wichtig, dass ich schon heute glücklich bin und nicht erst, wenn ein bestimmter Zustand oder ein bestimmtes Ereignis eingetroffen ist.

Vielleicht kennen Sie einen dieser Gedanken:

  • Wenn ich einen Partner habe, dann ...
  • Wenn ich ein Kind habe, dann...
  • Wenn ich Single bin, dann...
  • Wenn ich endlich einen neuen Job habe, dann...
  • Wenn ich endlich eine Auszeit machen kann, dann...
  • Wenn ich meinen Traumjob gefunden habe, dann...
  • Wenn ich die Prüfung geschafft habe, dann...
  • Wenn wir das Haus fertig gebaut haben, dann...
  • Wenn ich in Kleidergröße 38 passe, dann...
  • Wenn ich wieder gesund bin, dann...

Ist es ein Trugschluss, zu glauben, dass dann alles besser wird? Warum soll es denn nicht besser werden? "Alles" - vielleicht ist das der Knackpunkt. Wenn man einen Partner hat, muss man sich mit ihm zusammen raufen. Wenn man einen neuen Job hat, wer sagt, dass man dort genau so gut mit den Kollegen klar kommt? Wenn man seinen Traumjob gefunden hat, wer sagt, dass einem die Arbeit wirklich gefällt? Ist man bereit, auf Annehmlichkeiten zu verzichten, die man jetzt hat? Für alles Neue hat man einen Preis zu zahlen, etwas aufzugeben. Es wird nicht alles besser. Anders mit Sicherheit.

Aber wer weiß, wie lange es noch dauert, bis das Ziel erreicht ist?

Mir wurde klar: Heute ist der Tag zum Glücklich sein! Nicht morgen!

Was kann ich heute tun, damit es mir gut geht?

Das werde ich nicht hier am Computer finden, dessen bin ich mir sicher. Deswegen mache ich für heute Feierabend und suche mein Glück draußen in der Natur, im Garten, vielleicht mit der Nase an einer duftenden Pfingstrosenblüte.

Ich wünsche Ihnen ein zauberhaftes Wochenende

Anja Kolberg

Erstellt durch: Anja Kolberg am Freitag, 18 Mai, 2007
Thema: Blog - 2007, 1. Halbjahr, Blog - Psychologie


DUNKLE TAGE

Wenn der Blues kommt...
Wende in traurige Gedanken bekommen

KÖRPER + SCHMERZEN

So habe ich 40 kg abgenommen
Mehr Gesundheit in einem Jahr.

MICH SELBST ANNEHMEN

Mich selbst annehmen
Vergleichen ist das Ende des Glücks

INNERES KIND

Inneres Kind
Dicke Tränen trocknen

INNERE STIMME

Reden mit der inneren Stimme
Was tun, wenn die Angst übermächtig wird

PSYCHOLOGIE

Hilfe für die Seele
Hilfe für die Seele. Ende mit dem Tabu.

LOSLASSEN

Weniger ist mehr
Weniger ist mehr

ACHTSAMKEIT

Ganz bei mir sein
Frühlingsmärchen für die Seele

ZEIT FÜR MICH

Im Haus meines Herzens
Aufgeregt vor Termin. Zur Ruhe kommen.

DIE FRAU DAHINTER...

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