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Die Kunst, Störendes nicht wahrzunehmen

Das könnte ich gerne: Einfach nicht wahrnehmen, was mich stört. Nur in mein inneres System reinlassen, was ich mag und mir gut tut. Statt dessen nehme ich besonders, was ich nicht mag wie unter einem Vergrößerungsglas wahr: Störendes wird lauter, extremer, deutlicher, vermehrt sich. Meine Wahrnehmung wird immer feiner, schneller. Arg!

Es liegt wohl an der selektiven Wahrnehmung: Kaum beschäftige ich mich intensiver mit einem Thema, sehe ich dazu immer mehr. Ähnlich wie das bekannte Beispiel des bestimmten Autotyps, den man kaufen möchte, ist auf einmal die Welt voll davon. Oder nach der Renovierungsphase sah ich auf einmal handwerkliche Verarbeitungsfeinheiten bei Holz, die ich vorher nie wahrgenommen hatte, einfach weil mein Blick dafür geschult worden ist.

Nun handelt es sich aber nicht um etwas, das ich gerne haben möchte, sondern um etwas, das mich nervt. Ich wünschte, ich könnte es ausschalten. Geht aber nicht. Wie schaffen das andere Menschen?

Konkret geht es bei mir um Geräusche, die jemand macht, den ich nicht mag. Wie soll ich die ausblenden? Es würde ja schon reichen, wenn jemand, den ich mag, Geräusche macht, die mich nerven. Beides kombiniert - nervige Menschen und deren nervige Geräusche - macht die Sache noch heikler.

Gut, Menschen, die an einer stark befahrernen Bahnstrecke wohnen, hören irgendwann die vorbeirasenden lauten Züge nicht mehr, selbst wenn das Geschirr im Schrank klappert und sich Besucher wundern, wie das denn sein kann. Es ist zu einem Alltagsgeräusch geworden, das nicht mehr wahrgenommen wird. Kann mir das gelingen? Oder gelingt es nur, wenn ich emotionslos dem Geräusch gegenüberstehe wie es vielleicht bei den Menschen, die an der Bahn wohnen, der Fall ist?

Ich habe es schon mit Ablenkung versucht, mit Kopfhörern und lauter Musik. Ich will mich aber nicht immer ablenken müssen und schon gar nicht mit Kopfhörern rumlaufen.

Im Grunde geht es nicht darum, etwas wegzumachen. Ich kann es ja nicht ändern, die Menschen nicht ändern. Es geht auch nicht darum, wegzulaufen oder dem aus dem Weg zu gehen. Es geht darum, trotzdem, was nervt, gut weiter zu leben. Also bedeutet es: In mir selbst die Ruhe zu finden, dass ich innerlich Frieden empfinde, unabhängig davon, was außerhalb meines Selbst geschieht.

Eine Königsdisziplin der Meditation oder inneren Einstellung, so scheint mir. Ich möchte das gerne können. Bin auf dem Weg, der Wunsch ist ja schon mal da.

Es gibt Menschen, die können Störendes einfach ausblenden. Mein Mann zum Beispiel. Er kann es einfach. Und ich? Quäle mich rum. Kann das nicht so einfach. Vielleicht hängt die Schwierigkeit auch mit meiner Hochsensibilität zusammen. Einer der Kernpunkte davon ist ja, dass ich viel mehr wahrnehme, als ich überhaupt aufnehmen kann und mich das schnell überfordert. Hm. Viele gute Gründe, weiter darüber nachzudenken und irgendwann eine praktikable Lösung zu finden.

Im Urlaub in Dänemark erlebte ich 2017 dazu mein schlimmstes Erlebnis. 900 km fuhren wir gen Norden, um Ruhe zu haben. Und dann entstand neben unserem Ferienhaus eine Baustelle. Wie ich damit umgegangen bin und zum Schluss einen der schönsten Urlaube hatte, erzählte ich in 24 Schritten. Hier geht es los: Türchen 1: Angekommen am Meer - Das Ferienhaus 

Einen schönen Tag aus der Denkzentrale

Anja Kolberg

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Erstellt durch: Anja Kolberg am Montag, 23 Mai, 2016
Thema: Blog - 2016, 1. Halbjahr, Blog - Achtsamkeit
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