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Montag, 20 Dezember, 2010

Wenn Tiere nur Ware sind - Pferde in Irland

* Die neusten Informationen - der Beitrag wird immer wieder ergänzt - finden Sie am Ende des Artikels. Dies gewährleistet, dass das Thema "Pferde in Irland" in einem Beitrag zusammen bleibt, was mir wichtig ist.*

Wenn Sie diesen Artikel verlinken wollen, geben Sie diese URL an: http://www.anjakolberg.de/archives/2010/12/entry_6615.html

Dieser Bericht blieb nicht ohne Folgen - meine Ethik bekam Aufmerksamkeit, in dem ich mir an meine eigene Nase gefasst habe. Eine wundervolle Entwicklung - für das Wohl aller Tiere und Menschen!

Irland war mein Traumland. Dort wollte ich unbedingt mal hinreisen, so viel positives und schönes verbinde ich damit. Jetzt zu erfahren, wie die Menschen dort mit den Tieren umgehen, erschüttert mich.

Am 23. November 2010 las und sah ich in den Medien voller Bestürzung vom Leid der ausgesetzten Pferde in Irland. Einst Statussymbole, jetzt zu teuer und überflüssig. Vielleicht haben Sie auch die abgemagerten Pferde gesehen, die verzweifelt nach Futter umherirren, viele von ihnen verletzt. Ich war und bin fassungslos. Hier ist einer von den vielen Beiträgen im Netz. Es mangelt den Tieren an Futter, Wasser und tierärztlicher Versorgung.

Die Bilder gehen mir nicht aus dem Kopf. Warum stehen in den Medienberichten nicht gleichzeitig seriöse Spendenkonten, damit ich nicht nur betroffen bin, sondern auch etwas tun kann? Bisher habe ich von keinem (1xZeitung, 1xTV) darauf eine Antwort. Ich kann und will etwas tun. Ich komme mit dem Anblick dieses Leids nicht klar. Und noch weniger mit dem Gefühl, nichts zu tun. Also habe ich überlegt, was ich tun kann.

Gestern Abend - ich kam nicht zur Ruhe - schrieb ich die Bundestierärztekammer an, ob es ähnlich Ärzte ohne Grenzen eine Organisation für Tierärzte gibt. Eine Antwort kam promt: Tierärzte ohne Grenzen gibt es. Ich habe sie inzwischen angeschrieben, ob sie - sie sind vorwiegend in Afrika aktiv - auch in Irland aktiv werden könnten. (Update 29.11.: Nein, sie sind nur in Afrika für Menschen aktiv, die von der Nutztierhaltung leben, können in Irland leider nicht helfen.)

Eine andere Idee ist, ob vielleicht Tierarzt-Studenten mit ihren Professoren und Ausbildern statt in der Uni in Deutschland in Irland vor Ort lehren und lernen und den leidenden Pferden so gleichzeitig helfen und Praxiserfahrung sammeln. Die nette Ansprechpartnerin der Bundestierärztekammer wollte diese Idee an eine passende Stelle weiterleiten.

Auf den Seiten der mir bekannten größeren Tierschutzvereine fand ich bisher nichts über das Tierleid in Irland. Vom Tierschutzverein 4 Pfoten, den ich angeschrieben habe, bekam ich die Antwort, dass sie dort wegen der geringen Personaldecke vor Ort nicht aktiv werden können, die Situation jedoch beobachten. Sie gaben mir u.a. die Adresse des Vereins Irische Hunde in Not. Dort las ich, dass das Leid nicht nur die Pferde betrifft, sondern auch Hunde, die dort über alle Maßen gezüchtet und wenn sie "überflüssig" sind, getötet werden. Ich kann das nicht fassen und es übertrifft meine Vorstellungskraft. Mir steigen die Tränen in die Augen. Wie kann man Tiere so quälen?

Ich hoffe, ich bekomme eine seriöse Adresse heraus, die die Pferde mit Wasser, Futter und tierärztlicher Hilfe versorgen und an die ich spenden kann. Ich will keinen unterstützen, der die Pferde tötet, denn so wird sich wohl auch geholfen. (Ganz zum Ende des Artikels finden Sie 3 Adressen, an die ich inzwischen gespendet habe.)

Was nützt alle persönliche und direkte Hilfe, wenn keine guten gesetzlichen Rahmenbedingungen für Tierschutz gibt? Denn daran mangelt es wohl, so wie ich das verstanden habe. Also habe ich Bundeskanzlerin Merkel angeschrieben und auch die Fraktion der Grünen, die ja am ehesten für den Tierschutz eintreten, um sie zu bitten - falls das überhaupt geht - wenn wir Deutsche Geld an Irland geben müssen, dies mit Auflagen zu tun, zum Beispiel für den Tierschutz. Im Europäischen Parlament habe ich auch einen Vertreter angeschrieben, es werden weitere folgen.

Ich habe keine Ahnung, ob das hilft oder wirkt. Ich versuche es einfach.

Durchatmen. Es tut mir schon gut, dass ich aktiv geworden bin und mein Seelenleid so ernst nehme - und das der Tiere damit auch.

Anja Kolberg


Update 30.11.2010: Gefühlt bin ich nicht wirklich weiter gekommen, obwohl ich einige Mails geschrieben habe. Das macht mich traurig. Das Thema lässt mich aber nicht los und so bleibe ich am Ball. In Irland gibt es offensichtlich zwei größere Tierschutzorganisationen, die http://www.dspca.ie und http://www.ispca.ie. Beide habe ich mit meinen bescheidenen Englischkenntnissen angeschrieben, was sie für die Pferde tun und was ich tun kann, ebenso bat ich um Auskunft, ob sie die Tiere vorm Schlachter und dem Erschießen schützen. Auch wenn ich selbst etwas spende, so hat das doch finanzielle Grenzen. Wieviel kann ich bewegen? Ich habe mir überlegt, größere Organisationen anzuschreiben, die mit Pferden zu tun haben, ob sie aktiv werden könnten, zum Beispiel den CHIO in Aachen. Dadurch könnte mehr Geld zusammen kommen und in dem Fall wird wohl viel auch viel helfen. Tierärzte ohne Grenzen, soviel weiß ich inzwischen, gehören der Entwicklungshilfe an und kümmern sich in Afrika ausschließlich um Einwohner, die von der Nutztierhaltung leben. Wenn Sie Ideen haben, melden Sie sich gerne.


Update 8.12.2010: Der CHIO in Aachen hat geantwortet: "Wie Ihnen geht uns das Schicksal der irischen Pferde sehr nahe. Leider sind aber auch uns Grenzen gesetzt. Sie können sich vielleicht vorstellen, dass uns viele Anfragen wie die Ihre erreichen. In manchen geht es um gequälte Tiere, in anderen um vielefältige soziale Engagements mit der Bitte, diese zu unterstützen. Leider sind auch unsere Mittel limitiert, und wir haben vor vielen Jahren beschlossen, unsere ganze Kraft auf das Therapeutische Reiten zu fokussieren. Durch dieses konzentrierte Engagement haben wir in der Vergangenheit mit vielen zehntausend Euro helfen können. Ich hoffe auf Ihr Verständnis, dass wir dieses Vorgehen auch zukünftig beibehalten werden, um wirklich und nachhaltig Dinge verändern zu können."

Das kann ich gut nachvollziehen, auch wenn es den Irischen Pferden nicht hilft.

Ich fühle mich ein wenig desillusioniert. Von einer ehemaligen Klientin, die seit Jahren auf Irland lebt, habe ich den Tipp für eine seriöse Hilfsorganisation für irishe Pferde bekommen: Irish Horse Welfare Trust http://www.ihwt.ie.


Update 20.12.2010:

Inzwischen gibt es zwei Antworten aus der Politik (eine aus dem Bundestag, eine aus dem Europäischen Parlament) auf meine Bitte, im Hinblick auf die Situation der Tiere in Irland für tierschützende Rahmenbedingungen zu sorgen und die EU-Rettungszahlungen an Irland evtl. an Tierschutzbedingungen zu knüpfen:

  • Die Antwort der tierschutzpolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Undinde Kurth, vom 13.12.2010 in Auszügen: "Zahlreiche Tierschutzorganisationen und Tierschützer bemühen sich, Futter und Pflege für die Tiere aufzubringen und auch Tierschutzinspektoren sind im Einsatz. Doch leider kann aufgrund der sehr hohen Anzahl an ausgesetzten Pferden nicht allen Tieren geholfen werden. Viele verletzte oder zu sehr abgemagerte Tiere werden daher getötet. (...) Was den Umgang mit Pferden angeht, ist ein Umdenken in Irland dringend notwendig. Bereits vor der Finanzkrise war das Landschaftsbild in Irland durch ausgesetzte Pferde geprägt, die Zucht von Pferden war kaum reglementiert und die Nachverfolgung der ehemaligen Besitzer nicht möglich, da die Pferde nicht gekennzeichnet werden mussten. Dies wird sich in Zukunft ändern. Seit dem 1. Juli 2009 müssen EU-weit alle nach diesem Datum geborenen Fohlen per Mikrochip gekennzeichnet und in einem Equidenpass registriert werden. Das ist ein großer Fortschritt! Durch die verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung wird es in Zukunft möglich sein, ausgesetzte Tiere wieder ihren ehemaligen Besitzern zuordnen und das ungebremste Aussetzen der Tiere zu verhindern. (...) Außerdem setzen wir Grünen uns für die Schaffung eines europäischen Tierschutzgesetzes ein, um den Stellenwert der Tiere als Mitgeschöpfe zu stärken. Die EU-Kommission erarbeitet derzeit einen Entwurf für ein entsprechendes EU-Tierschutzgesetz, das voraussichtlich 2012 vorgestellt werden soll. Die Bindung der EU-Finanzhilfen an Auflagen zu Tierschutz ist rechtlich leider - noch - nicht möglich. Ich hoffe, dass sich das bald ändert."
  • Die Antwort von Alexander Graf Lambsdorff, MdEP, Europäisches Parlament, vom 9.12.2010 in Auszügen: "Ich verstehe Ihre Sorge und Ihre Empörung über die Lage der irischen Pferde. Das Schicksal dieser ausgesetzten Tiere ist natürlich sehr bedauerlich, besonders zu dieser Jahreszeit, doch leider hat es wenig mit der EU-Finanzhilfe an Irland zu tun. Es kann keine Verbindung zwischen beidem hergestellt werden, auch nicht durch eine Klausel im EU-Rettungspaket für Irland. Nichtsdestotrotz haben Sie Recht, sich für diese Angelegenheit einzusetzen und ich möchte Ihnen dabei behilflich sein. Da ich jedoch nicht im landwirtschaftlichen Bereich tätig bin, habe ich Ihr Schreiben an meine Kollegin Frau Britta Reimers, MdEP, Mitglied des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, weitergeleitet, sowie an unsere irischen liberalen Kollegen. Ich hoffe, dass für das Problem schnell eine Lösung gefunden wird, sei es auf nationaler oder auf europäischer Ebene, und dass Sie bald eine befriedigende Antwort erhalten werden." (Stand 5.1.2011: Bisher keine Antwort.)

Die Tierschutzorganisation Peta schrieb auf meine Anfrage, ob sie in Irland für die ausgesetzten Pferde aktiv sind, dass ihnen leider Grenzen gesetzt sind und sie dort nicht aktiv sind. Sie wiesen auf www.worldanimal.net hin, einem weltweiten Netzwerk von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen. Wie man den Tieren in Irland und in anderen Ländern, in denen heimatlose Tiere leiden, unter anderem helfen kann, nannten sie:

  • Immer wieder an Behörden und auch Tourismusorganisationen herantreten und diese auf das Leid der Tiere aufmerksam machen und sie auffordern nachhaltige Methoden, die human für die Tiere sind, einzusetzen. [Anmerkung Anja Kolberg: Ich habe diese Übersicht gefunden und tourismireland.com angeschrieben, die vor allen Dingen darauf hinwiesen, dass weder den Iren noch den Pferden geholfen ist, wenn die Urlauber jetzt wegblieben.]
  • Lokale Tierschützer unterstützen (oftmals haben sich ausländische Tierschutzorganisationen aus Deutschland organisiert) und benötigen dringend Hilfe. Adressen finden Sie unter www.worldanimal.net.
  • Freunde und Verwandte von dem Schicksal der Tiere erzählen und diese bitten sich auch zu engagieren.
  • Leserbriefe an Zeitungen und Magazine schreiben und diese bitten das „Thema“ publik zu machen. [Anmerkung Anja Kolberg: Eine Leserin schrieb mir, dass St. Georg eine Pferdezeitschrift ist, die sich auch um Tierschutz kümmert. Hier der Link. Ich habe sie inzwischen angeschrieben, ob Sie über die Pferde in Irland berichten könnten und zu Spenden aufrufen. Ich habe noch keine Antwort erhalten.]
  • Unsere Aktionen und Petitionen unterstützen.
  • Im Urlaub selbst: Tiere die Hilfe benötigen zum Arzt bringen oder lokale Tierschutzgruppen informieren (Adressen finden Sie unter www.worldanimal.net), Tiermissbrauch nicht hinnehmen sondern „einschreiten“.

Was tue ich? Auf der Seite von Irish Horse Welfare Trust gibt es eine Übersicht, was die Hilfen für ein Pferd kosten. Was da für Beträge zusammen kommen... Ich habe für drei Hilfsorganisationen, die in Irland für die Pferde aktiv sind, gespendet. Zum einen für Dublin SPCA, die Irländische Tierschutzorganisation ISPCA und den Irish Horse Welfare Trust.

Mir war es ja wichtig, dass die Pferde nicht getötet werden, doch ich habe gemerkt, dass ich kaum Einwirkmöglichkeiten habe. Ich bin mir sicher, dass die Tierschutzorganisationen im Sinne der Tiere entscheiden und wenn es der bessere Weg für das Tier ist, es zu erlösen, dann nehme ich das so an.

Eine Leserin wies auf www.betterplace.org hin, darum habe ich mich jedoch noch nicht kümmern können.

Auch wenn ich teilweise das Gefühl habe, gegen Windmühlen zu kämpfen, gibt es mir doch ein gutes Gefühl, mich überhaupt zu engagieren. Ich glaube, weil ich so viel für dieses Land empfinde, obwohl ich noch nie einen Fuß auf seinen Boden gesetzt habe, setze ich mich so ein. Und weil ich Tiere liebe. Seit dem wir Minu haben, bin ich viel empfindsamer für das Leid von Tieren geworden. Ich fühle mit ihnen. Auch das ist ein Grund, warum ich aktiv werde. Ich fühle deren Leid und das schmerzt sehr.

Also, was gibt es in einer solchen Situation besseres, als in meiner freien Zeit etwas FÜR etwas zu tun, das ich liebe?

Anja Kolberg


Update 5.1.2011: Seit dem ich gespendet habe, geht es mir besser. Ich fühle mich zuversichtlicher. Auch wenn ich keine Unsummen spenden kann, so bin ich doch sicher, dass ganz viele kleine Spenden eine große Hilfe sind! Natürlich kann ich nicht 100% wissen, ob die Hilfen wirklich genau so genutzt werden wie ich mir das wünsche. Deswegen bleibe ich weiter am Ball, um das heraus zu finden.
Ich habe über einen Link auf der Seite der Zeitschrift St. Georg den Verein Equiwent e.V. gefunden, der sich für leidende Pferde in Rumänien einsetzt und freue mich sehr über diesen Glücksfund.

Update 23.1.2011: Ich habe einen österreichischen Bericht gefunden, der behauptet, es handle sich nicht um 20.000 Pferde, sondern weniger, die ausgesetzt sind.
Selbst wenn dem so ist: Für mich ändert dies nichts an der Situation, dass es in Irland Pferde gibt, die Not leiden und ich ein gutes Gefühl habe, die Tierschutzorganisationen vor Ort zu unterstützen. Selbst wenn es beispielsweise nur einhundert Pferde wären, die dort ausgesetzt worden sind, bedeutet es für einhundert Tiere kein Futter zu finden, kein Wasser, kein Schutz und keine tierärztliche Versorgung.
In Bezug auf die Hilfe gibt es Stimmen, die sagen, man solle die Tiere auf der Insel lassen, ein Transport wäre zu stressig, andere meinen, dass so wenigstens einige Pferde ein schönes Leben erwartet.
Es gibt so viele Meinungen, Stimmen, Informationen. Wenn selbst große Medien Informationen ungeprüft übernehmen: Was ist dann die Wahrheit? Was ist die Wirklichkeit? Gibt es die? (Eine Stellungnahme lesen Sie am 12.2.2011 von der Dublin SPCA.)
Mir ist durch viele Recherchen zum Thema Tierschutz bewusst geworden, dass es auch in dieser Branche schwarze Schafe gibt, auch Tierschutzaktivistin Sonja Zietlow fiel auf eine vermeintliche Tierschützerin herein.
Trotz all der grauen und dunklen Bereiche werde ich mich eher noch bestärkt engagieren. Die Entwicklung beschreibe ich im Bericht: Meine Ethik ... und die Schwierigkeiten danach zu leben.
Anja Kolberg

Update 26.1.2011:
Ich habe Corinna Schumacher (CS-Ranch) angemailt und um Hilfe für die Pferde in Irland gebeten. Antwort: Sie engagieren sich bereits für Hilfsprojekte, die sie selbst nach reiflicher Überlegung ausgesucht haben und möchten ihr Engagement kanalisieren, damit auch eine Nachhaltigkeit gewährleistet werden kann. Ich freue mich, dass ich überhaupt eine Antwort bekommen habe, was keine Selbstverständlichkeit ist und kann deren Entscheidung gut nachvollziehen. Eine Frage war es wert.

Update 25.2.2011: Diese Woche erreichte mich ein Dankes- und Informationsschreiben der Tierschutzorganisation Dublin SPCA, über die ich mich sehr gefreut habe:
Die irische Tierschutzorganisation geht in dem Brief sowohl auf den Transport der Pferde ins Ausland ein (einige Leserinnen hatten mich auf diese Möglichkeit angesprochen) und erklären auch, welche Herausforderungen warten, um zu verhindern, dass ein solches Problem wie das jetzt seit vier Jahren andauernde nochmals auftritt. Durch diesen Brief ist mir klargeworden, wie komplex dieses Thema ist, warum ein Transport schwierig wird und welche umfassende Arbeit die Organsiation leistet. Lesen Sie selbst.

(Der Brief erreichte mich in Englisch, ich habe ihn mit Hilfe von Online-Übersetzern und meinen rudimentären Englisch-Kenntnissen übersetzt (da hilft auch 'ne 1 in Englisch auf dem Abschlusszeugnies des Studiums nix, wenn die Sprache ungenutzt schlummert und nie wirklich praktisch genutzt wurde...). Ich denke, das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen. Bitte entschuldigen Sie dennoch Holprigkeiten und Übersetzungsfehler.)

Liebe Anja, vielen Dank für Ihre Spende für den Dubliner Tierschutzverein.

Die Dublin SPCA hilft allen kranken und verletzten Tieren, sowohl Haustieren als auch wild lebenden Tieren, die zu uns kommen durch Unfälle, Grausamkeit, Vernachlässigung und Aussetzung. Jedes Jahr kostet es 1,8 Millionen Euro unser Tierzentrum, mit dem wir tausenden von Tieren helfen, zu unterhalten. Wir erhalten weniger als 5% von der Regierung. Der Rest kommt von der Großzügigkeit und Freundlichkeit der Menschen wie Dir.

Die Pferdekrise ist die schlimmste, die wir je gesehen haben. Wir füttern so vielen Pferde wie wir können in den Feldern rund um Dublin, wo wir wissen, dass sie ohne Futter, Wasser und Schutz verwaist sind. Jedes Pferd, das wir aufnehmen und vermitteln, kostet uns durchschnittlich 3.500 €. Im Jahr 2010 spendeten wir mehr als 400.000 € für die Rettung der Pferde und kein Ende ist in Sicht. In den vergangenen drei Jahren haben wir mit dem Ministerium für Landwirtschaft und lokalen Behörden diskutiert, um dieses Problem zu beenden.

Der Zusammenbruch der Wirtschaft hat katastrophale Folgen für Pferde in ganz Irland gebracht. Rücksichtslose Zucht während der 'Celtic-Tiger'-Jahre war die Ursache, warum Irland mit unerwünschten Pferden überschwemmt wurde, hinzu kommen die steigenden Kosten für Futter und den abnehmenden Wert des Pferdes. Märkte wie die in Smithfield (Dublin City Centre) ermöglichen es jedem, Pferde für gerade mal 8 € zu kaufen, unabhängig von persönlichen Ressourcen oder Wissen in der Pferdepflege. Smithfield Market ist nicht lizenziert, unreguliert und völlig ungeeignet für Pferde und das Dubliner SPCA ruft die Regierung zum sofortigen Schließen von Märkten wie Smithfield und ähnlichen auf.

Die Gesetzgebung ist klar: jedes Pferde muss einen Reisepass und Mikrochip haben, der Rechenschaftspflicht und die Rückverfolgbarkeit möglich macht. Aber es gibt keine Durchsetzung dieser Rechtsvorschriften und als Folge werden Pferde vernachlässigt, verlassen und erleiden einen schrecklichen Tod.

Machen wir uns klar: Die Pferdekrise in Irland ist in ihrem 4. Jahr und es ist ein komplexes Problem, das mehrere Lösungen erfordert, und es ist nicht einfach eine Frage der Futters für die Pferde. Manche Pferde sind aufgrund von Ort, Landschaft oder der Nähe von kriminellem Verhalten und Banden rund um diese Bereiche nicht erreichbar.

Viele Leute haben uns geschrieben und angefragt, diese Pferde in ein neues Zuhause auf der ganzen Welt zu transportieren. Wir untersuchen die Möglichkeit der Beförderung von Pferden, jedoch ist der Transport von Pferden aufwendig und schwierig, so viele der Pferde, die wir aufnehmen, sind unterernährt, krank oder verletzt und nicht in der Lage, aus gesundheitlichen Gründen transportiert zu werden. Die meisten Pferde sind nicht gechipt, noch haben sie Pässe, damit wir die Geschichte des Pferdes nicht überprüfen können, und somit kann es zu Verzögerungen kommen und Quarantäne erforderlich sein, um EU-Vorschriften für Pferdetransporter zu erfüllen. Wir untersuchen es als Option.

Die Dublin SPCA ist der Arbeit mit Behörden verpflichtet, dieses Problem zu lösen, aber es erfordert Personal, Lobbyarbeit, Interessenvertretung, die Aufmerksamkeit der Medien, Fahrzeuge und Futter. Ebenso wichtig wie die Rettung so vieler Pferde wie wir können, ist die Notwendigkeit, zu verhindern, dass dieses Problem jemals wieder entsteht. Das erfordert erhebliche Ressourcen in der Arbeit mit der Regierung, um zugewiesene Gesetze durchzusetzen und neue Rechtsvorschriften, die Zuchteinschränkungen beinhalten, zu erlassen. Wir fordern die 100%ige Rückverfolgbarkeit aller Pferde im Land, der Zucht und aller Verkäufe innerhalb des Landes.

Die Dublin SPCA arbeitet mit dem Landwirtschaftsministerium, Umweltministerium, lokalen Behörden, anderen Tierschutzorganisationen und Marktführern in der Branche zusammen, um die Schlüsselprobleme anzugehen, die zur Pferdekrise in diesem Land geführt haben. Dazu gehören die mangelnde Durchsetzung von Rechtsvorschriften, die Verbreitung der städtischen Pferde und massive Züchtung.

Die Dublin SPCA ist mit diesen Partnern zusammen, um dies zu sichern:
  1. Schließung von nicht lizenzierten, unregulierten Pferdemärkten wie Smithfield
  2. Einrichten eines Straferlass-Programms (multi-agency), wo die Eigentümer, die sich ihre Pferde nicht mehr leisten können und nicht vermittelt werden können, ihre Tiere abgeben können (Voraussetzungen sind zu bestimmen)
  3. Vermittlungsprogramm für gepfändete oder aufgegebene Pferde (mit den erforderlichen Gebühren für Veterinär, Genehmigung und Pass)
  4. Die Erweiterung der Ausbildung der verantwortlichen Pferdeeigentümer wie in den Dublin SPCA Bildungsprogrammen
  5. Die Schaffung einer zentralen Datenbank für Mikrochips. Alle Pferde, die nicht gechipt sind oder lizenziert, müssen von örtlichen Behörden oder ermächtigten Beamten beschlagnahmt werden.

Wir haben gerade unseren 170. Jahrestag gefeiert und es ist das unglaublichste Jahr in unserer Geschichte, weil wir das bedeutendste Unternehmen für den Tierschutz in Irland enthüllen: Die Eröffnung der neuen Dublin SPCA Tierklinik, dem Tierpensionszentrum und Hundeparks, von denen 100% der Gewinne direkt zurück in die Dublin SPCA fließen, um unsere jährlichen Betriebskosten zu unterstützen. Sie können mehr über dieses Projekt in unserem Newsletter erfahren. Ich habe auch ein Blatt mit unserer Bankverbindung beigelegt, sollten Sie Ihren Freunden mitteilen, unsere Arbeit zu unterstützen.

Im Namen von tausenden Tieren, die in unserer Obhut sind: DANKE! Um mehr zu erfahren, besuchen Sie bitte www.dspca.ie, wo Sie sich registrieren können, um regelmäßig E-Mail Updates zu erhalten. Wir laden Sie auch zu ein, unser Fan auf Facebook unter www.facebook.com/dspca zu werden.

Mit freundlichen Grüßen Lori Davis, Leitung Mittelbeschaffung, DSPCA Dublin (Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Lori Davis)

Update 17.2.2011: Ich habe mit Dirk Kontakt aufgenommen, einem Deutschen, der den "Blog for Ireland" betreibt und seit 2007 in Dublin lebt und arbeitet. Ihn habe ich gebeten, mir seine Sicht auf das Pferdeproblem in Irland zu schildern, um einen anderen Blickwinkel auf die Problematik zu bekommen und ihn gefragt, ob er einverstanden ist, wenn ich dies auszugsweise hier veröffentliche, damit Sie auch daran teilhaben können. Es ist ihm wichtig darauf hinzuweisen, dass es sich um seine persönliche Sicht und Beobachtung handelt, welche nicht mit harten Fakten belegt werden können:

Hallo Anja, das Thema der ausgesetzten Pferde fand tatsächlich in den ausländischen Medien mehr Beachtung als hier in Irland selbst. Das liegt daran, dass Pferde hier wie Gebrauchsgegenstände betrachtet werden, mit denen man Handel treibt. (...)

Hinzu kommt, dass die meisten Iren, insbesondere der Unterschicht, derzeit andere Probleme haben, als sich ordentlich um ihre Pferde zu kümmern, so hart das klingt. Die meisten Pferde haben keinen Chip, und weder Verkäufer noch Käufer müssen sich registrieren. Da ist es kein Wunder, wenn Pferde einfach ausgesetzt und sich selbst überlassen werden. Den Handel mit Pferden hatte ich in einem Beitrag über den Pferdemarkt in Smithfield gestreift.
Siehe hier: http://blog-for-ireland.blogspot.com/2007/08/der-smithfield-pferdemarkt.html

Wirklich ausgesetzte Pferde habe ich noch keine gesehen. In den Randbezirken von Dublin sieht man aber viele streunernde Pferde, die auf gewöhnlichen Grünflächen in Wohngebieten grasen. Diese Pferde sind aber keineswegs ausgesetzt. Meist gehören sie Kindern und Jugendlichen, die sie für ein Taschengeld kauften und anstelle eines Fahrrads halten.

(...) Das Thema zeigt, wie rückständig Irland in vielen Dingen noch ist, trotz Aufschwung. Hier treffen Tradition und Anforderungen an einen modernen EU-Staat aufeinander. Pferde spielen seit Jahrhunderten eine große Rolle in Irland. Deswegen genießen sie aber noch lange nicht die Aufmerksamkeit, die man erwarten würde. Da helfen auch EU-Gesetze nichts. Weder Tierschutzverbände noch Polizei haben die Kapazitäten, die geforderten Richtlinien durchzusetzen.

Deine Spendenbereitschaft ist begüßenswert. (...) Die Nachhaltigkeit der Maßnahmen ist zweifelhaft. Wenn Du einem Iren sein Pferd finanzierst, wird er es Dir danken, indem er sich ein zweites zulegt - und beide irgendwann gewinnbringend verkauft. Danach wiederholt sich das Spielchen von vorne. (Anmerkung Anja Kolberg dazu: Der oben abgedruckte Brief der Organisation DSPCA Dublin zeigt, dass nicht nur kurzfristig gedacht wird, sondern langfristig gehandelt, in dem das Problem grundsätzlich angegangen wird. In dem Sinne empfinde ich es als langfristig.)

(...) Als in Irland lebender Deutscher gewöhnt man sich schnell an derartige Umstände. Es bleibt einem nichts anderes übrig. Zu Deiner Beruhigung kann ich aber sagen, dass es auch positive Beispiele gibt. Die Eltern meiner irischen Lebensgefährtin halten sich ebenfalls ein Pferd. Sie leben auf dem Land, haben drei große Koppeln, das Pferd ist gechipt und registriert. Den Menschen der Unterschicht kann man auch keinen Vorwurf machen. In Irland gibt es nach wie vor große Armut. Die Menschen sorgen sich eher um ihr Überleben, als um das ihrer Pferde, so hart das klingt.

Viele Grüße aus Dublin, Dirk

Danke, Dirk für deine persönliche Einschätzung und die Erlaubnis, deine Meinung auszugsweise zu posten! Anja

Update 10.3.2011 Habe einen TV-Beitrag vom WDR (30.01.2011) gefunden, in dem über das Problem der Pferde in Irland berichtet wird. Ebenso über den Irischen Springreiter Denis Lynch, der seit Anfang 2011 in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden insgesamt 100.000 € an Spenden sammelte und Anfang März 2011 an die ISPCA überreichte. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des in Deutschland lebenden Springreit-Champions. Die Informationen stehen dort erst in Englisch, wenn Sie weiter runter scrollen, kommt die deutsche Übersetzung - unter dem Menüpunkt Spendenaktion oder Irische Pferde. Dort finden Sie auch eine Spendenadresse.

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